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Kongressbuch
Täterintrojekte – Diagnostik und Behandlungsmodelle dissoziativer Strukturen 2011
Rezension DP Gaby Breitenbach und Harald Requardt

Wege durch den Dschungel der Verwirrung

Ralf Vogt als Herausgeber legt mit „Täterintrojekten“ erneut einen Kongressband vor. Dieses Mal stand, bei dem alle 2 Jahre in Leipzig stattfindenden Kongress „Traumapotenziale“, das Thema der Introjektbildung und insbesondere der Täterintrojektbildung im Mittelpunkt.
In der Fachwelt herrscht bisweilen Verwirrung bei der Definition und in der praktischen Arbeit mit Introjekten. Diese fassbar zu machen, und einen Art Wegweiser anzubieten, ist Ralf Vogts Anliegen. Sein eigener Beitrag eröffnet den Kongressband.
Ralf Vogt stellt eine Vielzahl von Modellen vor und stellt diesen ein eigenes Modell gegenüber, das zwischen sieben unterschiedlichen Regulationsstates unterscheidet.
Der Begriff „Täterintrojekte“ wird zwar vielfach verwendet, jedoch, so zeigt Vogt auf, bei höchst unterschiedlichen Patienten, mit völlig unterschiedlichen Ideen zu deren Entstehen, ihrer Funktion und den daraus resultierenden Behandlungsmöglichkeiten. Vogt äußert seine Kritik zu der Vorstellung mancher psychoanalytischer Autoren hinsichtlich der unterstellten „kreativen Leistung“ bei der Entstehung dieser Anteile, vor allem wenn damit eine Bagatellisierung des Leids Betroffener einhergeht. Ein Verdienst dieser Arbeit ist es, zu verdeutlichen, dass mit zunehmender Gewalt introjiziertes Material immer Ich-dystoner, unbewusster und immer weniger distanzierbar wird, sodass es sich eben tatsächlich um „fremdes“ Material handelt, das Menschen (von einem Täter) erzwungenermaßen in sich aufnehmen mussten.
Über den Bereich der Psychoanalyse hinaus bietet das von ihm entwickelte Modell des SPIM-30-KT einen Rahmen, um konkreter zu definieren, mit welcher Art von Introjekten Menschen in Therapie kommen und behandelt werden.
Im Rahmen eines Gruppensettings wird eine mögliche Arbeitsweise mit Täterintrojekten beschrieben. Die positiven Erfahrungen sollten Mut machen, für stabilisierte Patienten ergänzend solche Angebote anzubieten.

Das Buch enthält Beiträge von Colin Ross, Harvey Schwartz, Renée Potgieter Marks, Tilman Moser, Wiebke Bruns und Ute Hoppe, sowie Joanne Twombley. Weitere Beiträge des Leipziger Teams: Irina Vogt, Winja Lutz und Ralf Vogt vervollständigen die Darstellungen.
Colin Ross stellt seinen Ansatz in der Trauma Model Therapie vor, bei der Störungsbilder aus einer Traumalogik heraus beschrieben werden. Harvey Schwartz bietet mit seinem Beitrag zur Transformation und Behandlung täteridentifizierter States bei dissoziativen Patienten einen lebendigen und sehr fundierten Beitrag aus der Praxis. Renée Potgieter Marks ergänzt den Band um spannende Einblicke in die Behandlung von dissoziativen Kindern. Tilman Moser beleuchtet den Standpunkt der körperorientierten Psychoanalyse und Joanne Twombly beschreibt den Umgang mit verborgenen Täterintrojekte lebendig mit sehr eindrücklichen Beispielen.
Gut strukturiert wird in diesem Buch anhand vieler Fallbeispiele beschrieben, zu welch schwierigen Problematiken Täterintrojekte im Rahmen von Reinszenierungen in der Therapie führen können. Sowohl Therapeuten, die sich in dieses Gebiet gerade einarbeiten, als auch erfahrene Fachleute werden hier Ideen für ihre konkrete Arbeit mitnehmen können.
Hier schreiben theoretisch reflektierte Praktiker für Praktiker. Immer wieder wird auf angenehme Art und Weise hingewiesen, wie nicht nur die Patienten, sondern auch wir Therapeuten gelegentlich dazu beitragen, einen Prozess stocken zu lassen. Die Autoren verdeutlichen, dass bisweilen Reinszenierungen zur Heilung geschehen müssen, um eine korrigierende positive therapeutische Beziehungserfahrung für eine Heilung zu ermöglichen. Das braucht Zeit und Bindungsbereitschaft – zu einer Zeit, in der oft schnelle Lösungen angestrebt werden. In den Fallbeispielen wird deutlich, dass das gemeinsame (Aus-)halten unter Wahrung eigener Grenzen sinnvoll ist.
Die Beiträge von Irina Vogt und Winja Lutz runden dieses Buch ab mit Beiträgen, die anregen, die Augen auch außerhalb des therapeutischen Rahmens zu öffnen für das Erkennen von Täterintrojekten und deren Auswirkungen.
Ein empfehlenswertes und ermutigendes Buch für Traumatherapeuten und –Pädagogen, das zum Nachdenken anregt.

Gaby Breitenbach und Harald Requardt
Villa Lindenfels, Institut für systemische Therapie und Traumatherapie
Lindenfelsstr. 35, 70327 Stuttgart

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