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Kongressbuch 2013

Veranstalter:

Trauma-Institut-Leipzig
Trauma-Institut-Leipzig an der Akademie für Ganzheitliche Psychotherapie

Fortbildungszyklen für Traumafachberater und Psychotraumatherapeuten

Akademie für Ganzheitliche Psychotherapie
Akademie für Ganzheitliche Psychotherapie
(gemeinnützige Organisation)
Fortbildung in trauma- und körperorientierter schulenübergreifender Psychotherapie

Programm

deutsch      english

Freitag, 16.06. und Samstag, 17.06.2017

Wir hoffen als Veranstalter, dass wir durch die breite Referentenpalette eine fruchtbare Lern- und Diskussionsatmosphäre erzeugen können. Wir wünschen uns als Veranstalter, dass durch diese Vielfalt sowohl Ihre Neugier als Teilnehmer als auch Ihr Interesse als KollegIn zur Integration von neuen Trends der Psychotraumatologie hervorgerufen wird.

Zeit

Freitag, 16.06.2017, 1. Vortragstag

12:00

Öffnung des Kongressbüros

13:00

Eröffnungsworte durch DP Irina Vogt

13:05

Prof. Dr. Stephen W. Porges (USA)Dr. Ralf Vogt

 

Forschungskonzeption zu Gedächtnisniveauveränderungen bei Traumapatienten (Teil 1)

 

Zu Beginn sollen neue Erkenntnisse des SPIM 30-Modells in Bezug der neurobiologischen Verankerung mit der Polyvagal-Theorie von Porges sowie eigene Modellableitungen zur Klassifikation von Traumatypen, Täterbindungsstrukturen und der stufenweisen Gedächtnisrekonstruktionsarbeit theoretisch umrissen und in der praktischen Bedeutung erläutert werden. Dabei werden auch Brücken zu Beiträgen von amerikanischen Kollegen (Kluft, Putnam) sowie niederländischen Traumaspezialisten (Van der Hart, Nijenhuis, Steele) aufgezeigt und integrative Verbindungen hergestellt werden. Dadurch soll das 7-stufige Modell der SPIM 30 Theorie auch mit den wichtigsten Übersetzungen zu den Modellsprachen anderer bekannter Theorien für viele Kollegen noch transparenter werden.
Im Nachgang wird anhand von Fallbeispielen eine kleine Praxisstudie vorgestellt, in welcher systematisch die Veränderung von Traumagedächtnisinhalten einzelfallanalytisch und auf diagnostische Kleingruppen bezogen untersucht wurde. Gesetzmäßige, regelhafte oder empirisch häufige Resultate der Veränderungsprozesse werden hypothetisch beschrieben. Dabei soll das dynamische Verständnis der erinnerbaren oder notwendigerweise geschützten Traumamaterialien ein zentraler Fokus sein, der auch die zukünftige Gedächtnisforschung durch universitäre Einrichtungen praxisnah befruchten könnte.

 

Vita: Dr. Vogt ist Psychotraumatologe und Psychoanalytiker in freier Praxis. Außerdem auch analytischer Körperpsychotherapeut, Familientherapeut sowie Behandler für imaginative Psychotherapie. Im Bereich von komplextraumatisierten Patienten arbeitet er seit ca. 20 Jahren und hat seit dem Jahr 2000 ein eigenes Behandlungsprogramm SPIM 30 für dissoziative Störungen zusammen mit seiner Frau entwickelt . Beide haben das Trauma-Institut-Leipzig als Fortbildungs- und Forschungsstätte 2002 gegründet. Dr. Vogt ist Past-Boardmember des internationalen Vorstand der ISSTD, hat 2011 den Fellow-Award für besondere Leistungen im Fachbereich erhalten und ist Autor zahlreicher Fachbücher.

13:30

Kurze Pause

13:35

Prim. Prof. Dr. Dr. DP Andreas RemmelDipl. Kunsttherapeutin Sabine Hampf (Leipzig)

 

Verlorene Puzzlesteine wiederfinden: Kunsttherapeutische Elemente in der Traumatherapie

 

Anhand eines Fallbeispiels wird aufgezeigt wie im Therapieprozess innere dissoziierte Erinnerungen mittels ganzheitlicher Elemente der Traumatherapie erinnerbar gemacht werden können. Innere Bilder werden mit Hilfe kunsttherapeutischer Elemente zu äußeren Bildern und können hilfreiche Unterstützung für den emotionalen Ausdruck und die traumatherapeutische Bearbeitung werden. Anhand von konkreten Beispielen aus der Praxis werden diese individuellen qualitativen Veränderungsprozesse in ihrer Dynamik mit anschaulichen Bildbelegen beschrieben..

 

Vita: Sabine Hampf ist Diplom Kunsttherapeutin und befindet sich in Ausbildung zur tiefenpsychologischen Kinder- und Jugendlichen­psycho­therapeutin und Weiterbildung zur Trauma­fach­beraterin/Trauma­thera­peutin. Seit 2014 ist sie Mitarbeiterin im Psycho­trauma­zentrum Leipzig e.V. und bietet u.a. Traumafachberatungen für Erwachsene und Einzel- und Gruppensupervision für Flüchtlingshelfer an.

14:00

Kurze Pause

14:05

Dr. Ruth Blizard (US)

Dipl.-Psych. Thomas Haudel (Berlin)

 

Szenische Traumaerinnerungsarbeit mit körper­psycho­thera­peutischen Interventionen

 

Im Vortrag wir der Therapieverlauf eines Traumapatienten vorgestellt, bei dem zusätzlich zur tiefenpsychologisch-fundierten Methodik körperpsychotherapeutische Methoden nach dem SPIM 30 und aus der Biodynamik eingesetzt wurden. Es wird dargestellt, wie gerade durch den Einsatz dieser Interventionen besondere Fortschritte im Therapieverlauf erreicht werden konnten, dergestalt, dass der Patient durch die Aktivierung seines Körpergedächtnisses konkrete Handlungs­abläufe schrittweise erinnern konnte, die ihm bis dato meist unbewusst waren. Es handelt sich um einen Patienten mit multipler Gewalterfahrung in der Herkunftsfamilie und einem erlittenen sexuellen Missbrauch.

 

Vita: Thomas Haudel ist Psychologischer Psychotherapeut, Studium für Klinische Psychologie in Leipzig, Ausbildungen in Tiefen­psycho­logisch-fundierter und Biodynamischer Psychotherapie, Fortbildung zum Trauma­psycho­thera­peuten am Traumainstitut Leipzig, Psychotherapeut in freier Praxis für Kinder, Jugendliche und Erwachsene in Berlin Prenzlauer Berg und Psychologe in der Erziehungs- und Familienberatungsstelle Berlin Friedrichshain/Kreuzberg.

14.30

Kurze Pause

14:35

Dr. rer. nat. DP Ralf VogtDipl. Geogr. Salina Centgraf (Leipzig)


Pränatale Hirnentwicklung – Geburtstraumatisierungen und Schwangerschaft


Im Vortrag wird die beraterische Arbeit im Langzeitverlauf mit einer geburtstraumatisierten schwangeren Frau dargestellt. Es zeigt sich, dass während der Schwangerschaft Ängste in verschiedenen, sich wandelnden Erinnerungsphänomenen hervortreten, die schrittweise Rückschlüsse auf unterschiedliche traumatische Erfahrungen der Klientin zulassen, die aus der eigenen Schwanger­schafts- und Geburts­erfahrung resultieren. Präventive Maßnahmen können daher im Umkehrschluss ebenfalls die frühkindliche Hirnentwicklung sehr günstig beeinflussen. Dies geschieht im Psychotraumazentrum Leipzig e.V. mit Hilfe von Stabilisierung, Psychoedukation und zusätzlich mit Interventionen in Form von traumasensiblen Yoga-Schwangerenkursen.

 

Vita: Salina Centgraf ist Geographin, Mediatorin, Traumafachberaterin i.A. und seit 2015 Vorsitzende des Psychotraumazentrum Leipzig e.V.. Sie ist außerdem ausgebildete Yogalehrerin und bietet traumasensible Yogakurse für Betroffene an.

15:00

Kaffeepause sowie Buch-, CD-, Infostände

15:30

Prof. Dr. Sue Carter (US)PhD Renée P. Marks (Großbritannien)

 

Therapeutische Veränderungen im Gedächtnis von Kindern und Jugendlichen mit dissoziativen Traumastörungen (Teil 1)

 

Kinder, die an einem präverbalen Trauma leiden, haben oft ein mangelhaftes Traumagedächtnis mit vielen Lücken. Die äußeren Anzeichen bei Ihnen sind oft gestörte Verhaltensweisen, Emotionen, Wortfolgen und Spontanhandlungen.
Während der Traumabehandlung bemerken wir oft symbolische oder metaphorische Symptomatiken, bevor das verbale Gedächtnis zu arbeiten beginnt. Diese Durchbrüche stellen sich zunächst oft als Einwortsätze dar. Diese sind im Zusammenhang mit Emotionen als fragmentierte Traumamarker zu sehen. Während der Traumaexpositionsarbeit verändern sich diese Details signifikant und bekommen mehr Kontextbezug. Im Vortrag wird das sich verändernde Traumagedächtnis anhand von Fallbeispielen aus dem Kinder- und Jugendbereich beschrieben.

 

Vita: Renée Marks ist leitende Psychotherapeutin am Institut Integrate Families in Manchester, Nordengland. Dieses Institut ist ein nationales Zentrum für Kinder und Jugendliche mit Komplextrauma und Dissoziation. Dort ist Frau Marks als nationale und internationale Trainerin für Bindungsproblematiken, Affektregulationsstörungen sowie andere komplexe Traumatisierungen bei Kindern und Erwachsen tätig. Sie ist ebenso Vorsitzende im Komitee für Kinder und Jugendliche in der ESTD und widmet sich auch dort dem Spezialgebiet schwerer Komplextraumatisierungen bei Kindern und Jugendlichen. Weitere Tätigkeitsfelder sind für Frau Marks Gerichtsgutachten und Supervisionstätigkeit.

16:00

Kurze Pause

16:05

MS Psych Winja LutzPD Dr. phil. Rosemarie Barwinski (Schweiz)

 

Die Integration traumatischer Erfahrungen (Teil 1)

 

Die psychische Integration traumatisierender Erlebnisse ist ein sehr komplexer Prozess, der nicht nur den Umgang mit überwältigenden Affekten umfasst, sondern mit Veränderungen in der psychischen Struktur des Patienten einhergeht. Da diese Veränderungen – vor allem, wenn es sich um die Folgen von Traumatisierungen handelt, die bereits in der frühen Kindheit stattgefunden haben – durchaus Jahre dauern können, geht es darum, langfristige Veränderungsprozesse verständlich zu machen. Anhand von Fallvignetten wird ein Modell vorgestellt, das beschreibt, welche psychischen Prozesse und Einsichten geleistet werden müssen, um solche zeitlich weit zurückliegenden, komplexen traumatischen Erfahrungen zu verarbeiten. Das Modell wurde aufgrund der Ergebnisse einer eigenen Studie entwickelt, in der drei Langzeittherapien von schwer bis mittelschwer traumatisierten Patienten auf traumarelevante Veränderungsschritte untersucht wurden. Es wird aufgezeigt, welche Konsequenzen für die psychotherapeutische Praxis sich aufgrund der Ergebnisse der Studie ergeben.

 

Vita: Dr. Barwinski ist Psychoanalytikerin, Psychotherapeutin in eigener Praxis in Winterthur (Schweiz); Privatdozentin an der Universität zu Köln; Seit ihrer Habilitationsschrift im Jahre 2005 forscht sie zum Thema der Traumabearbeitung in analytischen Langzeitbehandlungen; Leiterin des Schweizer Instituts für Psychotraumatologie (SIPT), Winterthur; Zahlreiche Veröffentlichungen im Bereich Psychotraumatologie, Psychotherapie und Traumagedächtnisforschung.

16:35

Kurze Pause

16:40

DP Claudia Maria FlißPhD Valerie Sinason (Großbritannien)

 

Therapeutische Probleme und Gedächtniszugänge bei hochdissoziativen Patienten (Teil 1)

 

Aus der langjährigen Erfahrung mit hochdissoziativen Patienten sollen zunächst grundlegende bindungsorientierte Regeln der Psychotraumaarbeit beschrieben werden, so wie sie in der Londoner Klinik seit Jahren Anwendung finden. Danach soll durch Fallanalysen mit Patienten, die unter einer Dissoziativen Identitätsstörung leiden, herausgearbeitet werden, welche allgemeinen und besonderen Verlaufsformen bei der Traumabearbeitung auftreten und mit welchen zum Teil originellen Interventionen diese Fallbeispiele und deren dazugehörigen Krisen angegangen wurden. Besonders kompliziert war dabei mit Klientinnen umzugehen, welche noch direkten oder verdeckten Täterkontakt in und außerhalb der Störungsherkunftsfamilien hatten. In theoretischer Nähe zum Introjektentstehungsmodell der SPIM 30-Theorie sollen eigene dissoziative Kategorievorschläge - wie die quaternäre Dissoziation - erläutert werden, welche sehr zum neuen Verständnis von Traumadynamiken bei hochdissoziativen PatientInnen beitragen können.

 

Vita: Valerie Sinason ist Dichterin, Schriftstellerin, Psychotherapeutin für Kinder und Erwachsene und Psychoanalytikerin. Sie hat in den Tavistock and Portman Kliniken gearbeitet und am Lehrstuhl des St George Krankenhaus in der Abteilung für psychiatrische Behinderungen. Sie ist Gründungsmitglied und Leiterin der Klinik für dissoziative Forschung, ein unabhängiger Tertiärversorger des britischen Gesundheitsdienstes. Sie Autorin zahlreicher Bücher und Artikel, darunter als Herausgeberin: „Trauma, Dissoziation und Multiplizität: Die Arbeit mit Identität und Selbstanteilen“ und verschiedener Monografien zur Arbeit mit hochdissoziativen Störungen.

17:10

Diskussion, Abschlussstatements

17:30

Veranstaltungspause, keine Verkaufsstände

ab

20:00

Tagungsfest mit Clowns, Tanz und kleinem Finger-Food-Buffett

(Achtung: gesonderte Eintrittskarte notwendig)

ClownDJ AndyLeipziger Nasen

 

Zeit

Samstag, 17.06.2017, 2. Vortragstag

8:00

Öffnung des Kongressbüros

9:00

MS Psych Winja LutzPD Dr. phil. Rosemarie Barwinski (Schweiz)

 

Die Integration traumatischer Erfahrungen (Teil 2)

 

Die psychische Integration traumatisierender Erlebnisse ist ein sehr komplexer Prozess, der nicht nur den Umgang mit überwältigenden Affekten umfasst, sondern mit Veränderungen in der psychischen Struktur des Patienten einhergeht. Da diese Veränderungen – vor allem, wenn es sich um die Folgen von Traumatisierungen handelt, die bereits in der frühen Kindheit stattgefunden haben – durchaus Jahre dauern können, geht es darum, langfristige Veränderungsprozesse verständlich zu machen. Anhand von Fallvignetten wird ein Modell vorgestellt, das beschreibt, welche psychischen Prozesse und Einsichten geleistet werden müssen, um solche zeitlich weit zurückliegenden, komplexen traumatischen Erfahrungen zu verarbeiten. Das Modell wurde aufgrund der Ergebnisse einer eigenen Studie entwickelt, in der drei Langzeittherapien von schwer bis mittelschwer traumatisierten Patienten auf traumarelevante Veränderungsschritte untersucht wurden. Es wird aufgezeigt, welche Konsequenzen für die psychotherapeutische Praxis sich aufgrund der Ergebnisse der Studie ergeben.

 

Vita: Dr. Barwinski ist Psychoanalytikerin, Psychotherapeutin in eigener Praxis in Winterthur (Schweiz); Privatdozentin an der Universität zu Köln; Seit ihrer Habilitationsschrift im Jahre 2005 forscht sie zum Thema der Traumabearbeitung in analytischen Langzeitbehandlungen; Leiterin des Schweizer Instituts für Psychotraumatologie (SIPT), Winterthur; Zahlreiche Veröffentlichungen im Bereich Psychotraumatologie, Psychotherapie und Traumagedächtnisforschung.

10:00

Kurze Pause

10:05

Prof. Dr. Sue Carter (US)PhD Renée P. Marks (Großbritannien)

 

Therapeutische Veränderungen im Gedächtnis von Kindern und Jugendlichen mit dissoziativen Traumastörungen (Teil 2)

 

Kinder, die an einem präverbalen Trauma leiden, haben oft ein mangelhaftes Traumagedächtnis mit vielen Lücken. Die äußeren Anzeichen bei Ihnen sind oft gestörte Verhaltensweisen, Emotionen, Wortfolgen und Spontanhandlungen.
Während der Traumabehandlung bemerken wir oft symbolische oder metaphorische Symptomatiken, bevor das verbale Gedächtnis zu arbeiten beginnt. Diese Durchbrüche stellen sich zunächst oft als Einwortsätze dar. Diese sind im Zusammenhang mit Emotionen als fragmentierte Traumamarker zu sehen. Während der Traumaexpositionsarbeit verändern sich diese Details signifikant und bekommen mehr Kontextbezug. Im Vortrag wird das sich verändernde Traumagedächtnis anhand von Fallbeispielen aus dem Kinder- und Jugendbereich beschrieben.

 

Vita: Renée Marks ist leitende Psychotherapeutin am Institut Integrate Families in Manchester, Nordengland. Dieses Institut ist ein nationales Zentrum für Kinder und Jugendliche mit Komplextrauma und Dissoziation. Dort ist Frau Marks als nationale und internationale Trainerin für Bindungsproblematiken, Affektregulationsstörungen sowie andere komplexe Traumatisierungen bei Kindern und Erwachsen tätig. Sie ist ebenso Vorsitzende im Komitee für Kinder und Jugendliche in der ESTD und widmet sich auch dort dem Spezialgebiet schwerer Komplextraumatisierungen bei Kindern und Jugendlichen. Weitere Tätigkeitsfelder sind für Frau Marks Gerichtsgutachten und Supervisionstätigkeit.

11:05

Kaffeepause sowie Buch-, CD-, Infostände

11:30

Prof. Dr. Stephen W. Porges (USA)Dr. Ralf Vogt

 

Forschungskonzeption zu Gedächtnisniveauveränderungen bei Traumapatienten (Teil 2)

 

Zu Beginn sollen neue Erkenntnisse des SPIM 30-Modells in Bezug der neurobiologischen Verankerung mit der Polyvagal-Theorie von Porges sowie eigene Modellableitungen zur Klassifikation von Traumatypen, Täterbindungsstrukturen und der stufenweisen Gedächtnisrekonstruktionsarbeit theoretisch umrissen und in der praktischen Bedeutung erläutert werden. Dabei werden auch Brücken zu Beiträgen von amerikanischen Kollegen (Kluft, Putnam) sowie niederländischen Traumaspezialisten (Van der Hart, Nijenhuis, Steele) aufgezeigt und integrative Verbindungen hergestellt werden. Dadurch soll das 7-stufige Modell der SPIM 30 Theorie auch mit den wichtigsten Übersetzungen zu den Modellsprachen anderer bekannter Theorien für viele Kollegen noch transparenter werden.
Im Nachgang wird anhand von Fallbeispielen eine kleine Praxisstudie vorgestellt, in welcher systematisch die Veränderung von Traumagedächtnisinhalten einzelfallanalytisch und auf diagnostische Kleingruppen bezogen untersucht wurde. Gesetzmäßige, regelhafte oder empirisch häufige Resultate der Veränderungsprozesse werden hypothetisch beschrieben. Dabei soll das dynamische Verständnis der erinnerbaren oder notwendigerweise geschützten Traumamaterialien ein zentraler Fokus sein, der auch die zukünftige Gedächtnisforschung durch universitäre Einrichtungen praxisnah befruchten könnte.

 

Vita: Dr. Vogt ist Psychotraumatologe und Psychoanalytiker in freier Praxis. Außerdem auch analytischer Körperpsychotherapeut, Familientherapeut sowie Behandler für imaginative Psychotherapie. Im Bereich von komplextraumatisierten Patienten arbeitet er seit ca. 20 Jahren und hat seit dem Jahr 2000 ein eigenes Behandlungsprogramm SPIM 30 für dissoziative Störungen zusammen mit seiner Frau entwickelt . Beide haben das Trauma-Institut-Leipzig als Fortbildungs- und Forschungsstätte 2002 gegründet. Dr. Vogt ist Past-Boardmember des internationalen Vorstand der ISSTD, hat 2011 den Fellow-Award für besondere Leistungen im Fachbereich erhalten und ist Autor zahlreicher Fachbücher.

12:30

Mittagsimbiß vor Ort sowie Buch-, CD-, Infostände

13:30

DP Claudia Maria FlißDP Irina Vogt (Leipzig)

 

Fallbeispiele für Gedächtnisverwirrungen bei dissoziativen Störungen

 

In Fallanalysen mit dissoziativen Traumapatienten werden empirisch Ereignisfolgen von Traumaexpositionen von mit sexueller Gewalt überrollter Frauen untersucht und in psychodynamischen Erkenntnisetappen beschrieben. Dabei wird besonders auf differenzierte Anteilearbeit eingegangen, die Voraussetzung und ständiges Begleitwerk bei solchen Klientinnen ist. Bemerkenswert ist dabei insbesondere, dass Täterintrojekte offenbar systematisch die analytische Erkenntnisarbeit immer wieder durchkreuzen und die weitere Traumaarbeit mit dissoziativer Reinszenierungskraft quasi zunichtemachen wollen. Diese Täterstrukturen scheinen zuweilen der Schlüssel für das Verständnis der zunächst abgespaltenen Traumainhalte zu sein. Sie entsprechen dem unbewusst verlängerten Täterwillen und schützen somit deren Verschleierungsabsicht, indem sie autoaggressive Strafen und labilisierende Rückfälle in der Innenregulation organisieren. Dazu sollen praktische Handhabungsformen für die Traumabehandlung gemäß dem SPIM 30-Modell und den dazugehörigen Settings beschrieben werden.

 

Vita: Frau Irina Vogt ist Psychotraumatologin und Tiefenpsychologin in freier Praxis. Außerdem Körperpsychotherapeutin und kreative Mal- und Spieltherapeutin seit über 20 Jahre im Bereich von komplextraumatisierten/dissoziativen Patienten tätig. Seit ca. 2000 arbeitet sie mit ihrem Ehemann am Behandlungsprogramm SPIM 30 für dissoziative Störungen. Beide haben das Trauma-Institut-Leipzig als Fortbildungs- und Forschungsstätte 2002 gegründet. Irina Vogt wirkt ebenfalls Traumafachdozentin für andere nationale und internationale Institute mit. 2011 Fellow-Award der ISSTD für herausragende Leistungen im Fachbereich.

14:30

Kaffeepause sowie Buch-, CD-, Infostände

14:50

DP Claudia Maria FlißPhD Valerie Sinason (Großbritannien)

 

Therapeutische Probleme und Gedächtniszugänge bei hochdissoziativen Patienten (Teil 2)

 

Aus der langjährigen Erfahrung mit hochdissoziativen Patienten sollen zunächst grundlegende bindungsorientierte Regeln der Psychotraumaarbeit beschrieben werden, so wie sie in der Londoner Klinik seit Jahren Anwendung finden. Danach soll durch Fallanalysen mit Patienten, die unter einer Dissoziativen Identitätsstörung leiden, herausgearbeitet werden, welche allgemeinen und besonderen Verlaufsformen bei der Traumabearbeitung auftreten und mit welchen zum Teil originellen Interventionen diese Fallbeispiele und deren dazugehörigen Krisen angegangen wurden. Besonders kompliziert war dabei mit Klientinnen umzugehen, welche noch direkten oder verdeckten Täterkontakt in und außerhalb der Störungsherkunftsfamilien hatten. In theoretischer Nähe zum Introjektentstehungsmodell der SPIM 30-Theorie sollen eigene dissoziative Kategorievorschläge - wie die quaternäre Dissoziation - erläutert werden, welche sehr zum neuen Verständnis von Traumadynamiken bei hochdissoziativen PatientInnen beitragen können.

 

Vita: Valerie Sinason ist Dichterin, Schriftstellerin, Psychotherapeutin für Kinder und Erwachsene und Psychoanalytikerin. Sie hat in den Tavistock and Portman Kliniken gearbeitet und am Lehrstuhl des St George Krankenhaus in der Abteilung für psychiatrische Behinderungen. Sie ist Gründungsmitglied und Leiterin der Klinik für dissoziative Forschung, ein unabhängiger Tertiärversorger des britischen Gesundheitsdienstes. Sie Autorin zahlreicher Bücher und Artikel, darunter als Herausgeberin: „Trauma, Dissoziation und Multiplizität: Die Arbeit mit Identität und Selbstanteilen“ und verschiedener Monografien zur Arbeit mit hochdissoziativen Störungen.

15:50

Kurze Pause

15:55

DP Claudia Maria FlißMSc Psych Winja Lutz (Leipzig)

 

Im Einkauszentrum verloren gehen ist keine Kindes­miss­handlung – Loftus und die methodischen Fehler der Erinnerungs­forscher

 

Dieser Vortrag wird die verschiedenen Gedächtnisqualitäten unter normalen versus stressbelasteten und traumatischen Bedingungen umreißen, um dann den derzeitigen Forschungsstand zum sogenannten “Traumagedächtnis” vorzustellen.
Der Vortrag wird die Entstehung der sogenannten False-Memory-Syndrome Bewegung erläutern und anhand von Beispielen aufzeigen, welche Folgen diese Entwicklung für Psychotherapeuten und Opfer sexueller Traumatisierungen in der Kindheit hatten und haben.
Im Folgenden werden die drei wichtigsten Forschungsparadigmen, mit denen versucht wird falsche Erinnerungen zu belegen, vorgestellt und kritisch hinterfragt: Vorstellungsinflation, falsches Feedback und die Implantation von Erinnerungen.
Am Beispiel der Lost-In-The-Mall Studie von Elisabeth Loftus werden die vielfältigen methodischen Mängel der Gedächtnisforscher aufgezeigt, die im Rahmen der False-Memory-Syndrome Bewegung versuchen die Realität von dissoziativen Amnesien zu leugnen.

 

Vita: Winja Lutz ist staatlich anerkannte Erzieherin, Diplom bildende Künstlerin, Psychologin und Traumafachberaterin. Sie hat viele Jahre als Erzieherin in der stationären Jugendhilfe, als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Trauma-Institut-Leipzig und als Dolmetscherin im traumatherapeutischen Fachbereich gearbeitet. 2015/2016 war sie Stationspsychologin an der Wicker Klinik, Bad Wildungen. Sie hat verschiedene Fachbücher im traumatherapeutischen Fachbereich ins Deutsche übersetzt und 2013 den Student Award der ISSTD für ihre herausragenden Leistungen im Fachbereich erhalten. Sie ist im Editorial Board der ESTD und Privatdozentin im traumapädagogischen Fachbereich.

16:55

Kurze Pause

17:00

Diskussion, Abschlussstatements
Hinweis auf die nächsten Tagungen des Trauma-Institut-Leipzig

17:30

Veranstaltungsende