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Veranstalter:

Akademie für Ganzheitliche Psychotherapie
Akademie für Ganzheitliche Psychotherapie (gemeinnützige Organisation)
Fortbildung in trauma- und körperorientierter schulenübergreifender Psychotherapie

Trauma-Institut-Leipzig
Trauma-Institut-Leipzig an der Akademie für Ganzheitliche Psychotherapie
Fortbildungszyklen für Traumafachberater und Psychotraumatherapeuten

Psychotraumazentrum Leipzig, e. V
Psychotraumazentrum Leipzig e. V.
SAFE®-Kurse - Sichere Ausbildung für Eltern zur Förderung einer sicheren Eltern - Kind - Bindung

Weblinks Kongreßbuch Körperpotenziale in der traumaorientierten Psychotherapie 2007

2.2 Peter Geißler
Psychoanalyse der Lebensbewegungen

Seite 156

Zum körperlichen Erscheinungsbild: Der Patient ist asthenisch, durchschnittlich groß, seine Augen wirken klar, freundlich, zugewandt, der Körper insgesamt in Spannung, keine Kollapszeichen. Es fällt mir seine Stimme auf, die mir für einen Mann von der Grundfrequenz her relativ hoch vorkommt, und auch beim Beschreiben seiner Symptome verwendet er Gesten die auf mich feminin wirken. Von der sich spontan zwischen uns beiden einstellenden Interaktion her bemerke ich, dass sich zwischen uns beiden eine Situation herstellte, in der ich ihn dominierte und er sich submissiv verhielt. Die emotionale Atmosphäre war teilweise emotional offen und dicht, teilweise spielerisch und leicht, fast wie ein Flirt bei einem Liebespaar. Durchzogen war all dies von einer gewissen Angst, die man bei ihm spürte – in der Übertragung einer Angst vor dem Vater, wie sich herausstellen sollte.
Auf der körperlichen Ebene haben wir viel mit Spüren gearbeitet, allerdings im Sitzen, nur ganz selten in konkreten Interaktionen, bei denen anfangs rivalisierende Impulse des Patienten im Vordergrund standen, später Wünsche nach körperlichem Halt. Z. B. wollte der Patient einmal ausprobieren, seine Kraft an der meinen zu messen. Später wollte er versuchen, wie es sei, wenn er seinen Kopf an meine Brust lege. Er merkte, dass ihm das gut tat, und dass er sich aber nicht wirklich ganz lösen könne. Da war ein tiefer Widerstand, den wir damals noch nicht verstehen konnten.
Der Patient ist ältestes Geschwister von insgesamt fünf, allesamt Brüder, ist in einem ländlichen Bereich aufgewachsen, die Eltern scheinen insgesamt bemüht gewesen zu sein, wenn auch nicht unbedingt pädagogisch kompetent. Vielleicht hatten sie als Bauern auch wenig Zeit für die Kinder gehabt. Der Patient hat viele Erinnerungen an die Kindheit, gute und schlechte, besonders haften geblieben sind Konflikte mit dem als dominierend erlebten Vater, der manches Mal auch handgreiflich wurde; er war – als Landwirt – offenbar so etwas wie ein rauer Bursche. Schwer enttäuscht hatte ihn, dass die Mutter im Falle von Konflikten, die der Patient mit seinem Vater austrug, immer zu ihrem Mann gehalten hatte, sodass der Patient sich beiden allein gegenüber sah. Die Konfliktspannung eskalierte so stark, dass der Patient als vorpubertäres Kind darauf bestand, in ein Schulinternat zu gehen, um der häuslichen Atmosphäre zumindest unter der Woche zu entkommen. Erst später merkte er, dass sich hinter dieser Entscheidung Rachegefühle verbargen, d. h. er wollte seine Eltern gleichsam durch sein Weggehen bestrafen. Er erinnert sich, dass er sich im Internat oft sehr einsam und unglücklich fühlte, und die Autofahrten – sein Vater brachte ihn ins Internat und holte ihn von dort ab – sind voll Distanz zum Vater, es wurde die ganze Zeit geschwiegen – der Vater sagte nichts, und er, der Patient damals in der Vorpubertät, auch nichts, was im Nachhinein schmerzhaft in Erinnerung ist.
Zur aktuellen Lebenssituation: Sie ist gut strukturiert, es besteht Konstanz im Beruf, er hat eine stabile Partnerbeziehung seit Jahren, hat sich im Zuge der Therapie entschieden selbst den Sprung in die Vaterschaft zu wagen, seine Partnerin ist nun schwanger.

 

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