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Veranstalter:

Akademie für Ganzheitliche Psychotherapie
Akademie für Ganzheitliche Psychotherapie (gemeinnützige Organisation)
Fortbildung in trauma- und körperorientierter schulenübergreifender Psychotherapie

Trauma-Institut-Leipzig
Trauma-Institut-Leipzig an der Akademie für Ganzheitliche Psychotherapie
Fortbildungszyklen für Traumafachberater und Psychotraumatherapeuten

Psychotraumazentrum Leipzig, e. V
Psychotraumazentrum Leipzig e. V.
SAFE®-Kurse - Sichere Ausbildung für Eltern zur Förderung einer sicheren Eltern - Kind - Bindung

Weblinks Kongreßbuch Körperpotenziale in der traumaorientierten Psychotherapie 2007

1.11 Anita Wilda-Kiesel
Wie kann Kommunikative Bewegungstherapie den therapeutischen Prozess in einer tiefenpsychologisch orientierten Psychotherapie voranbringen?

Seite 124

Wie und wo entstand diese Methode?

Die Methode wurde von A. Kiesel in den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts entwickelt. Ermöglicht wurden die neuen therapeutischen Ansätze, weil sich ein junges Therapeutenteam unter der Leitung von Frau Professor Dr. med. Christa KOHLER in der Klinik für Psychotherapie der Universität Leipzig, mit tiefenpsychologisch orientierter Psychotherapie befasste und in Gruppen- und Einzeltherapie versuchte, neue Wege zu gehen, wenn diese Ansätze für die politische Öffentlichkeit auch anders benannt werden mussten.
Anliegen war, ein spezifischeres Vorgehen in der Bewegungstherapie zu entwickeln. Im Handbuch der Neurosenlehre, das 1958 erschienen war, gab es einen Artikel von Lucie HEYER-GROTE über »Bewegungs- und Atemtherapie bei psychisch Kranken«. Sie bezeichnete sowohl Bewegungs- als auch die Atemtherapie als Übungsverfahren, die »in Verbindung mit der Psychotherapie oder an deren Stelle« nicht zur gymnastisch – sportlichen Ertüchtigung angewandt werden, sondern »Arbeit am Körper, an seiner Haltung und Bewegung« sind. Bewegungstherapeutische Maßnahmen bei psychisch Kranken sollten Spannung und Lösung, Gleichgewicht, Körpergefühl, Rhythmus, Raumgefühl und Gemeinschaftsbeziehung betonen.
Ein Aufsatz von HADDENBROCK und MEDERER über »Tänzerische Gruppenausdrucksgymnastik in der Psychosebehandlung« in der Zeitschrift für Psychotherapie und Medizinische Psychologie, im Jahre 1960 bestärkte ebenfalls das Vorhaben, neue Wege in der Bewegungstherapie bei psychisch Kranken zu gehen.
Dr. Born, in den sechziger Jahren Chefarzt der psycho-somatischen Klinik im KH Weißer Hirsch bei Dresden und die Physiotherapeutin Katharina KNAUTH befassten sich mit der Körpersprache, dem Ausdrucksgehalt der Bewegungen und bezogen dies in ihre Therapie ein. Auch von dort kamen Anregungen.
In den sechziger Jahren beeinflusste eine direkte Schülerin von Elsa Gindler, Magarete Jeansch, die Entwicklung der neuen Bewegungsmethode mit dem Bereich der Körperwahrnehmung über die konzentrative Zuwendung zum Körper. Alice Schaarschuch setzte einen weiteren Impuls in Richtung Lösungs- und Atemtherapie..
Heute können wir feststellen, dass diese Ansätze für eine Gruppenbewegungstherapie in der Psychotherapie zu den ersten in der Physiotherapie bzw. Bewegungstherapie psychisch Kranker in Deutschland gehörten und dass ähnliche Entwicklungen später in den 70er Jahren in der Bundesrepublik etwa parallel verliefen, (ich denke an die Konzentrative und Integrative Bewegungstherapie) wobei dort vor allem Ärzte, wie Helmuth Stolze und J.E. Meyer sowie der Hilarion Petzold, an der Entwicklung beteiligt waren.
Die Veränderungen im Erleben und Verhalten der Patienten bildeten damals zunehmend den therapeutischen Ansatz für die Bewegungstherapie.
Einerseits war es das Ziel, den bewussten Umgang des Patienten mit dem eigenen Körper zu fördern, die Körperwahrnehmung und die Entspannungsfähigkeit zu verbessern, andererseits bestand das Ziel darin, auf die Kommunikations- und Integrationsstörungen des psychisch Kranken einzuwirken. Wir hatten beobachtet, dass unsere Patienten vor allem Defizite in der Körperwahrnehmung, in der Kontaktaufnahme ( Blick- und Hautkontakt, ) in der Entscheidungs- und Auseinandersetzungsfähigkeit und im Vertrauen zu sich und anderen hatten.
Entsprechend entstanden im Verlauf der Zeit eine Reihe von Aufgabenstellungen mit vielen Übungen, die es dem Patienten ermöglichten, sich selbst in der Gruppe zu erfahren und im geschützten Umfeld einer stabilen Gruppe Fehlverhaltensweisen, Ursachen und Konsequenzen dieses Verhaltens zu erkennen sowie neue Verhaltenserfahrungen zu erproben und sie über die Gruppentherapie hinaus anzuwenden.
1968 erschien eine Monographie von Christa KOHLER, unter dem Titel »Kommunikative Psychotherapie« (Wilda-Kiesel). In dieser wurde das neue bewegungstherapeutische Verfahren erstmals als Kommunikative Bewegungstherapie beschrieben.. Zum Thema Vertrauen erschienen 1972 weitere Monographien mit Christa KOHLER (vgl. auch Wilda-Kiesel, 1986).
Im Zeitraum von 1974 -1977 entwickelte sich die Konzentrative Bewegungstherapie durch den Einfluss der dynamischen Gruppenpsychotherapie weiter. (In der Zeit Teilnahme von Wilda-Kiesel an einer Ausbildung.) Der parallele Einsatz der Gesprächstherapie und der Kommunikativen Bewegungstherapie zeigte deutlich, dass sich auch die Bewegungstherapie in Gruppen als Prozess in Phasen entwickelt, was bei der Steigerung der Anforderungen an die Gruppenmitglieder unbedingt zu beachten ist. Für die theoretische Durchdringung der Methode aus psychologischer und psychotherapeutischer Sicht war letztlich Anfang der achtziger Jahre eine Aspirantur im Bereich Psychologie der Universität Leipzig wichtig, die mit der Promotion zum Thema Kommunikative Bewegungstherapie (Wilda-Kiesel) abschließen konnte.

Seit 1968 fanden regelmäßig Fortbildungen in der Methode statt, die in der DDR zum Fachphysiotherapeuten führten und nach der Wende unter dem Dach der Gesellschaft für Psychotherapie, Psychosomatik und Medizinische Psychologie stattfanden. Heute wird das Wissen in Fortbildungen der Akademie für Kommunikative Bewegungstherapie weiter gegeben.

 

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