Internationales Traumasymposium am 11. - 12. Juni 2021 in Leipzig zum Thema:

Die Dissoziative Identitätsstörung und Probleme der interdisziplinären Behandlung

Exposé zum Symposium

Die DIS ist die schwerwiegendste Psychotraumanachfolgestörung, die durch zwischenmenschliche seelische, körperliche und sexuelle Gewalt zumeist durch nahe Bezugspersonen an Kindern hervorgerufen wird und fast immer lebenslang anhält. Familiäre und rituelle Tyrannei beinhalten dabei in diesen extremen Fällen in der Regel sadistische Folterqualen, die das Individuum für immer prägen. In Folge dieser Qualen kann der Mensch meist nie vollwertig am sozialen und Arbeitsleben teilnehmen und ist auch nicht in der Lage, wohltuende Partnerschaften einzugehen oder gesündere Familien zu gründen. Es liegt auf der Hand, dass diese schwer geschädigten TraumapatientInnen auch für die psychotherapeutischen, medizinischen und sozialen Behandler nicht leicht zu therapieren und betreuen sind, weil ihre seelische Zerbrechlichkeit, beziehungsseitige Widersprüchlichkeit und introjektgesteuerte Impulsivität sowohl Psychotherapeuten in der Einzelbehandlung – als auch parallelen medizinischen und sozialen Behandlern aller Art an die Grenzen des Effektivitätserlebens sowie der allgemeinen Kooperationsbereitschaft bringen. Im Extremfall interagieren die destruktive Innendynamik der schwer dissoziativen Klienten mit den bauchgesteuerten Destruktivitätsgefühlen der BehandlerInnen und BetreuerInnen. Dabei entsteht eine unfruchtbare Dauerverwirrung und Dauerangespanntheit, um diese zweifellos schwierigen, aber sehr behandlungsbedürftigen, Klienten. Es ist uns in unserem über 30-jährigen Berufsleben bisher noch nicht gelungen eine so große Anzahl von motivierten parallelen Behandlern dieser DIS-Patienten zusammenzuholen und gemeinsam multiperspektivisch zum unterschiedlichen Gegenstand am ganzheitlichen Problem dieser Menschen zu diskutieren. Jetzt haben wir diese Möglichkeit im Juni 2021 im Rahmen eines breiten Forums von Fachwissenschaftlern und Helfern, diese Unterschiede zu beleuchten und in ihrer Dynamik zu verstehen. Dabei wollen wir neuste Erkenntnisse über die effektive Behandlung von Klienten mit Dissoziativer Identitätsstörung austauschen und voneinander lernen!

Wir freuen uns auf Kollegen und Interessierte aus vielen sozialen Bereichen unseres Lebens!

Ihre,

DP Irina Vogt und Dr. Ralf Vogt

Fortbildungspunkte

Die Veranstaltung wird durch die Ostdeutsche Psychotherapeutenkammer (OPK) anerkannt und wie folgt akkreditiert:

1. Symposiumstag: 5 Punkte in Kategorie A

2. Symposiumstag: 8 Punkte in Kategorie A

Veranstaltungsort

Mediencampus Villa Ida - Leipzig

Adresse

Mediencampus Villa Ida
Poetenweg 28
04155 Leipzig

Referenten

Renée Potgieter Marks (PhD)

Renée Potgieter Marks leitet in Huddersfield (GB) das BICTD – eine Therapieeinrichtung zur Behandlung schwersttraumatisierter dissoziativer Kinder in Nordengland, welches zugleich ein Ausbildungszentrum für Sozialarbeiter und Therapeuten des ganzen Landes ist.
Hauptsächlich arbeitet sie mit bindungsgestörten, komplextraumatisierten Kindern nach sexuellen Missbrauch, körperlicher Gewalt und seelischer Vernachlässigung, welche bspw. durch das Gesundheitsamt zur Adoption freigegeben werden müssen.
Frau Marks ist eine vielfache Fachbuchautrin und gefragte Trainerin weltweit und entwickelte dazu eine Reihe von Online-Trainings, die von den Fachgesellschaften ISSTD und ESTD anerkannt sind. Im Rahmen dieser Gesellschaften ist sie u.a. auch Vorsitzende und Mitglied wichtiger Gremien für Trauma und Dissoziation im Kindesalter.

Thema: Die Behandlung von Täterintrojekten bei einer suizidalen DIS-Patientin

Susan war eine hübsche 15-jährige Jugendliche mit vielen Flashbacks über die das Mädchen aber nicht reden konnte, weil sie das in zu große Angstzustände stürzte. In den klinischen Diagnosenskalen hatte sie Trefferwerte im Bereich Depression, sozialer Rückzug, PTBS, Aggression und Dissoziative Identitätsstörung. Sehr schnell nach unserem ersten Therapiekontakt konnte Susan öffnen, dass sie sich selbst schneiden musste und auch konkrete suizidale Pläne hatte. Es folgten einige Monate psychiatrischer Behandlung und familiärer Beobachtung. Durch den Einsatz des SPIM 30-Behandlungsmodells in der Psychotherapiephase einschließlich einiger EMDR-Sitzungen konnten schließlich Täterintrojekte aufgedeckt werden, die die Absicht hatten, die inneren Kindanteile umzubringen. Diese dissoziativen Zerstöreranteile konnten mit SPIM 30-Settings, malen und Briefe schreiben effektiv und anschaulich bearbeitet werden. Das war ein wichtiger Durchbruch ohne den Susan heute nicht mehr leben würde. Im Hauptvortrag werden Susans dunkelste Stunden bir zur Genesung beschrieben.

Der Fallbericht wird durch Fotos, Zeichnungen und Briefe illustriert.

Frances S. Waters, DCSW, LMSW, LMFT

Frances S. Waters ist international anerkannte Trainerin, Beraterin und Klinikerin auf dem Gebiet von Kindheitstraumata, Missbrauch und Dissoziation und hat zahlreiche Trainingsprogramme in Europa, Afrika, Südamerika, Nordamerika, Ozeanien und Australien vorgestellt. Seit 40 Jahren ist sie auf dem Gebiet des Kindesmissbrauchs spezialisiert und arbeitet in eigener Praxis in Marquette, MI (USA). Frau Waters ist ehemalige Präsidentin der ISSTD und war dort in vielen Ausschüssen tätig. Darüber hinaus ist sie im Editorial Board des Journal of Child & Adolescent Trauma tätig, als Gastredakteurin für das Journal of Trauma and Dissoziation und weitere. Frau Waters ist vielfache Fachbuchautorin, gefragte Gutachterin und Supervisorin. Sie erhielt für ihre professionelle Tätigkeit zahlreiche Ehrungen, wie den Cornelia B. Wilbur Award der ISSTD 2019 und Presidential Award 2012.

Thema: Zähmung des Löwen: Dynamische Interventionen für Täterintrojekte bei DIS-Jugendlichen und die Integration in die Umwelt

Traumatisierte Kinder und Jugendliche kommen oft wegen Aggressionsproblemen, Suizidalität oder häuslicher Bedrohungen zur Therapie. Diese Klienten sind schwer therapierbar und haben eine hohe Co-Morbidität mit schweren Angststörungen, Depressionen, PTBS, Zwangsstörungen und Substanzmittelmissbrauch. In der Präsentation werden die psychodynamischen Entwicklungsprozesse von Täterintrojekten in ihrer hochtraumatischen Entstehungsatmosphäre vorgestellt. Diese führen zu einer völlig verdrehten Störungsperspektive sich selbst gegenüber, der Welt an sich sowie gegenüber anderen Menschen. Diese Bilder sind im Überlebenskampf zwangsläufig entstanden. Das führt zu spezifischen Abwehrmustern und einem umfassenden Bedrohungserleben mit Stärke- und Schwächezuschreibungen. Dadurch entstehen nahezu logische Probleme der Kinder und Jugendlichen im Bereich der Schuldisziplin, in Bezug zu Substanzmittelmissbrauch und Konflikte mit der Jugendgerichtsbarkeit bzw. den Jugendämtern, wodurch auch Konflikte der jeweils unterschiedlichen Bezugspersonen bzw. den Entscheidungsgremien vorprogrammiert sind. Im Vortrag werden nützliche bzw. notwendige Strategien und Möglichkeiten diskutiert wie diese verschiedenen zuständigen Teams besser zusammenarbeiten könnten bzw. sollten, wenn diesen Grundkenntnisse der Psychodynamik von Täterintrojekten fachlich adäquat vermittelt werden.

Literatur:

Potgieter Marks, R. (2012). When the Sleeping Tiger Roars – Perpetrator Introjects in Children. In Vogt, R. (Ed.). Perpetrator Introjects – Psychotherapeutic Diagnostics and Treatment Models. Pp. 87 – 110. Kröning: Asanger.
Twombly, J. H. (2019). Case of a Woman with DID and a History of Inadequate Treatment. In Vogt, R. (Ed.) The Traumatised Memory – Protection and Resistance. How traumatic stress encrypts itself in the body, behaviour and soul and how to detect it. Berlin: Lehmanns Media.
Vogt, R. (2015) (Ed.) SPIM-30 Treatment Model for Dissociative Trauma Disorders. Kröning: Asanger
Vogt, R. (2019) (Ed.) The Traumatised Memory – Protection and Resistance. How traumatic stress encrypts itself in the body, behaviour and soul and how to detect it. Berlin: Lehmanns Media.
Waters, F.S. (2016). Healing the Fractured Child: Diagnoses and Treatment of Youth with Dissociation. New York: Springer Publishing Company.

PhD. Valerie Sinason

Valerie Sinason ist analytische Kinderpsychotherapeutin und Psychoanalytikerin für Erwachsene in London (GB). Sie ist eine international gefragte Spezialistin für schwere (programmierte) dissoziative Störungen. Sie ist Gründerin und Schirmherrin der Klinik für dissoziative Studien die sie bis zu ihrer Pensionierung leitete. Frau Sinason ist außerdem beratende Psychotherapeutin der Kapstädter Kinderberatungsklinik, Vorstandsmitglied der ISSTD sowie vielfache Fachbuchautorin und belletristische Schriftstellerin und Poetin.

Täterintrojekte bei Dissoziativen Identitätsstörungen und die Probleme einer Fallpublikation

Die Autorin berichtet über einen sehr aufwendig interessanten und schwierigen Behandlungsfall eines DIS-Patienten über den sie zunächst in dessen Einverständnis einen Fallbericht in einer Fachzeitschrift veröffentlichte.
Nachdem der Artikel publiziert wurde, entstand nachträglich eine sehr zerstörerische Konfliktsituation in der Behandlungsbeziehung sowie mit einer Ethikkommission als Berufsaufsicht über die Patientenrechte.
Ein weiblicher Anteil des DIS-Patienten schrieb diesem Berufsaufsichtskomitee, dass sie zu keinem Zeitpunkt eine Zustimmung zur Veröffentlichung eines Artikels gegeben hätte und sich durch die Therapeutin hintergangen und missbraucht fühlte.
Im Zentrum des Fallberichts stehen die internalen Kämpfe der verschiedenen Persönlichkeitsanteile des DIS-Patienten sowie die externalen Psychodynamiken von Verleumdung und Verrat zwischen Patient und Therapeutin sowie der Therapeutin und der Ethikkommission – als interdisziplinärer Berufsgruppe im außen.

Literatur:

Sinason, V. (1994) (Ed.). Treating Survivors of Satanist Abuse. London: Routledge.
Sinason, V. (1998) (Ed.). Memory in Dispute. London: Karnac.
Sinason, V. (2010) (Ed.). Attachment, Trauma and Multiplicity (2nd edition). London: Routledge.
Sinason, V. (2012) (Ed.). Trauma, Identity and Dissociation: Working with Identity and Selves. London: Routledge.
Vogt, R. (2015) (Ed.) SPIM-30 Treatment Model for Dissociative Trauma Disorders. Kröning: Asanger
Vogt, R. (2019) (Ed.) The Traumatised Memory – Protection and Resistance. How traumatic stress encrypts itself in the body, behaviour and soul and how to detect it. Berlin: Lehmanns Media.

Irina Vogt, Dipl.-Psych.

Psychologische Psychotherapeutin in eigener Praxis seit 1992. Zertifizierte Psychotraumatologin, Tiefenpsychologin, Gruppentherapeutin. Ausbildung in analytischer Körperpsychotherapie und kreativer Spieltherapie. Zwölfjährige klinische Tätigkeit in ambulanter Poliklinik. Fachpsychologin der Medizin. Spezialistin für dissoziative Störungen seit 1995 und Mitglied in nationalen und internationalen Fachverbänden. 2011 bekam sie den Fellow Award der ISSTD (International Society for the Study of Trauma und Dissociation) für herausragende theoretische und praktische Beiträge. Mitentwicklung des hauseigenen Behandlungsprogramms SPIM-20- bzw. später SPIM-30. Seit 2001 zusammen mit ihrem Ehemann Ausbildungsleiterin am Trauma-Institut-Leipzig sowie für nationale und internationale Institute.

Die Dissoziative Identitätsstörung in der Verwirrungsdynamik der verschiedenen Behandler
Hauptvortrag am Samstag, 12.06.2021

Anhand eines Langzeitfallberichts wird erläutert wie viele psychodynamische Bedingungen in innerseelischen Anteilen der DIS-Patienten intrapsychische Zerrissenheit produzieren. Dadurch ist ein klassischer analytischer Wechselwirkungszusammenhang von Übertragung und Reinszenierungen kaum praktikabel nutzbar. Man muss hier immer Traumatrigger und Reenactment zugleich sehen, um in der chronischen Verwirrung einen Sinn zu erkennen, welcher mit unterschiedlichen interdisziplinären Behandlern kaum kommuniziert werden kann. Erst durch eine Weitwinkelperspektive wird zum Teil nachvollziehbar, welche Anteile bei welchen Außentriggern diese Verwirrungsdynamik auslösen und weshalb unser fokussiertes Teilwissen als Behandler, das Gesamtproblem unserer Klienten nicht adäquat abbilden kann bzw. nicht erfassen soll. Täterintrojektdynamiken übernehmen durch die Labilisierung von Kindanteilen oder die Aktivierung von Täterimplantatsaggressionen die Kontrolle über die Behandler, je nachdem, wo deren Schwachstellen testend erspürt worden sind. Im frühen Therapiestadium ist für DIS-Patienten quasi das Chaos die Rettung vorm Untergang und andauernde Verteidigungsattacken die sicherste Form des weiteren Überlebens des Individuums. Illustriert wird dieser Fallbericht durch nachgestellte Fotos aus dem SPIM 30-Behandlungsraum.

Literatur:

Breitenbach, G. (2011). Innenansichten dissoziierter Welten extremer Gewalt. Kröning: Asanger Verlag
Vogt, R. (2013). SPIM 30. Behandlungsmodell für dissoziative Störungen. Kröning: Asanger Verlag.
Vogt, R. (2020). Scham und Schuld bei traumatisierten Menschen. Beschämen und Beschuldigen als Machtmittel zwischenmenschlicher Gewalt. Berlin: Lehmanns Media.

Ralf Vogt, Dr. rer. nat., Dipl.-Psych.

Psychologischer Psychotherapeut in eigener Praxis seit 1992, zertifizierter Psychotraumatologe, Psychoanalytiker, analytischer Körperpsychotherapeut, systemischer Familientherapeut und Therapeut für Katathymes Bilderleben. Achtjährige klinische stationäre Tätigkeit, Fachpsychologe der Medizin. Dr. Vogt ist Past-Boardmember der ISSTD – International Society for the Study of Trauma and Dissociation (Fellow Award – 2011 sowie C. Wilbur Award 2017 für besondere theoretische und praktische Beiträge im Fachgebiet). Arbeit am eigenen Behandlungsprogramm für komplextraumatisierte/dissoziative Störungen seit 1996. Seit 2001 unter dem Titel SPIM-20- bzw. später SPIM-30 zusammen mit seiner Ehefrau. Ausbildungsleiter am Trauma-Institut-Leipzig sowie Lehr- und Kontrollanalytiker für verschiedene nationale Institute. Zahlreiche Artikel- und Buchveröffentlichungen zum Fachgebiet.

Aspekte der Täterpsychologie, die Traumatherapeuten wissen sollten
Einführungsvortrag am Freitag, 11.06.2021

Im Rahmen der DIS-Behandlung ist es für uns Psychotherapeuten unerlässlich, die Struktur von zerstörerischen Täterintrojekten zu verstehen. Dazu ist es in der Fortführung der psychodynamischen Genese der Störungsinhalte ebenso wichtig, die Herkunft im Original, d.h. den Kern der Struktur des psychodynamischen Abdruckgebers – also den Täter – und dessen Täterlogik sowie deren gestörten Bezugsrahmen in einer notwendigen Breite zu verstehen, um die konditionierten Prägungslinien, -regeln und –programme zu erkennen. Das kann wiederum unsere therapeutischen Arbeitsstrukturen effektiver machen.
Im Vortrag werden dazu täterpsychologische Prämissen und gewaltpsychologische Rahmenbedingungen in ihrer zum Teil historischen Herkunft aus dem Mittelalter untersucht. Es ist dabei erstaunlich wie viel magisches Denken in diesen Wurzeln steckt und wie dieses auch psychotraumatischen Täterintrojektionsprozessen ähnelt. In der Täter- und Opferdynamik geht das Individuum aber sehr verschiedene Wege das zerbrochene Vertrauens- und Sicherheitsgefühl wieder herzustellen. Die Analyse dieser multiperspektivischen Betrachtung mündet in die Ableitung von vorläufigen Implikationen für die Psychotherapie von DIS-PatientInnen.

Literatur:

Vogt, R. (Hrsg.)(2014). Verleumdung und Verrat. Dissoziative Störungen bei schwer Traumatisierten als Folge von Vertrauensbrüchen. Kröning: Asanger Verlag.
Vogt, R. (Hrsg.) (2018). Das traumatisierte Gedächtnis - Schutz und Widerstand. Wie sich Traumatische Belastungen in Körper, Seele und Verhalten verschlüsseln und wieder auffinden lassen. Berlin: Lehmanns Media.
Vogt, R. (2020). Scham und Schuld bei traumatisierten Menschen. Beschämen und Beschuldigen als Machtmittel zwischenmenschlicher Gewalt. Berlin: Lehmanns Media.

Pilotstudie zur Effektivität von Therapiesettings und therapeutischen Beziehungsinterventionen bei DIS-Patienten im Vergleich zu DESNOS und DDNOS-Klienten
Hauptvortrag am Samstag, 12.06.2021

Die dissoziativen Patientengruppen erhalten im SPIM 30-Behandlungsprogramm eine Reihe von speziellen externalisierenden, körper- und handlungsorientierten Therapiesettings die zu Beginn des Hauptvortrages kurz in ihrer Bedeutung skizziert werden. Auch die beziehungsseitige Umgangsform mit dissoziativen Klienten erfordert Spezialwissen und sehr selbsterfahrungstrainierte Fähigkeiten bei den BehandlerInnen, da diese Patienten einen größere emotionale Darstellungsbreite haben. Die TherapeutInnen benötigen außerdem sehr flexible Umgangsformen in der Beziehungs- und Bindungsgestaltung die analytisch-psychotraumatologisch bis pragmatisch-menschlich ausfallen müssen. Außerdem fordern unsere in den Anteilen switchenden Patienten je nach Verfassung stategerechte multimodale Settingangebote, die therapeutisch gut reflektiert werden sollten, um nicht in einen psychodynamisch provozierten Eklektizismus zu verfallen.
Im Trauma-Institut-Leipzig wurde dazu eine Pilotstudie erstellt wie sie gerade für uns Praktiker im Alltag hilfreich sein kann. Verglichen wurden theoretische, methodische, beziehungsseitige und soziale Ansichten von Patienten mit Dissoziativer Identitätsstörung mit KlientInnen der Diagnosegruppen DESNOS und DDNOS.
Dabei wurden wir auf uns bisher nicht so explizit bekannte Gleichnisse und wichtige Unterschiede aufmerksam, die tatsächlich behandlungsrelevante Ableitungen erlauben. Außerdem kann durch diese Untersuchung bestätigt werden, dass die DIS-Diagnose gerade für junge FachkollegInnen tatsächlich noch einmal einen qualitativen Sprung in der Selbsterfahrung der BehandlerInnen im Vergleich zu den DESNOS und DDNOS Diagnosen darstellt. Das bedeutet wiederum, dass unsere Ausbildungsinhalte als Psychotherapeuten doch sehr differenziert die Unterschiede dieser Patientengruppen abbilden und Kompetenzen trainieren sollten, damit wir nicht am zu großen ICD-10-Wald der chronifizierten komplexen PTBS-Diagnosen verzweifeln und das Machbare übersehen.

Literatur:

Putnam, F.W. (2003). Diagnose und Behandlung der Dissoziativen Identitätsstörung. Paderborn: Junfermann
Vogt, R. (2013). SPIM 30. Behandlungsmodell für dissoziative Störungen. Kröning: Asanger Verlag.
Vogt, R. (2020). Scham und Schuld bei traumatisierten Menschen. Beschämen und Beschuldigen als Machtmittel zwischenmenschlicher Gewalt. Berlin: Lehmanns Media.

Winja Buss

Winja Buss ist Psychologin und Traumatherapeutin, staatlich anerkannte Erzieherin, Diplom bildende Künstlerin. Sie arbeitet in privater psychotherapeutischer Praxis und ist Co-Leiterin des ITT Leipzig (Institut für Traumapädagogik und Therapie Leipzig).
Frau Buss hat viele Jahre als Erzieherin in der stationären Jugendhilfe, als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Trauma-Institut-Leipzig, als Stationspsychologin sowie als Dolmetscherin im traumatherapeutischen Fachbereich gearbeitet. Sie hat zahlreiche Fachbücher im traumatherapeutischen Fachbereich ins Deutsche übersetzt und 2013 den Student Award der ISSTD für ihre herausragenden Leistungen im Fachbereich erhalten. Frau Buss ist im Editorial Board der ESTD, Co-Moderatorin einer internationalen Mailingliste für die Arbeit mit dissoziativen Störungen und Lehrtrainerin im traumapädagogischen Fachbereich. 
http://praxis-winja-buss.de

Wenn viele schwanger sind

In diesem Vortrag wird es um den Umgang mit Schwangerschaften und Schwangerschaftsabbrüchen bei DIS Patientinnen gehen.
Anhand von anonymisiert zusammengestellten Erfahrungen mit verschiedenen Fallbeispielen werden die spezifischen Schwierigkeiten im Innensystem sowie mit dem äußeren Hilfesystem dargestellt. Vor allem auch im Rahmen andauernden Täterkontakts bzw. im Rahmen des Ausstiegs aus organisierten Täterstrukturen.
Diese Patientinnen sind mit sehr spezifischen Problemen konfrontiert, ob es das körperliche schwanger-sein und die Wahrnehmung dessen für verschiedene Innenpersonen; die Schutzsuche in den äußeren Hilfestrukturen; der Umgang mit Frauenärztinnen oder auch die Übertragungs-Gegenübertragungsdynamik ist, die in der Therapie entsteht.

Heike Crostewitz

Crostewitz ist Psychotraumatologin und Heilpraktikerin mit eigener Praxis in Leipzig. Fachbereichsleiterin HeilpraktikerIn für Psychotherapie an der HPA, Dozentin und Ergotherapeutin spezialisiert auf psychisch-funktionelle und traumaspezifische Behandlungsverfahren.

Seit über 10 Jahren Berufserfahrung in der Arbeit mit Menschen mit Traumafolgestörungen und dissoziativen Störungen.

Wir wachsen - der Außenwelt begegnen

Das Wachstum von gesunden Anteilen stellt für DIS-Patienten nach langjähriger Therapie und Aufarbeitung ihrer dunkelsten Themen eine große Herausforderung dar. Der Alltag der DIS-Patienten führt gerade in der Wachstumsphase immer wieder zu inneren und äußeren Verwirrungen und stellt eine Herausforderung für die Therapie dar.

Im Fachvortrag wird an Hand von anonymisierten Fallbeispielen aus ihrer praktischen Arbeit auf die vielfältigen und praktischen Möglichkeiten der Wachstums-Arbeit und die Herausforderung des Alltags im fortgeschrittenen Therapieverlauf eingegangen.

Literatur:

Deb, D. (2019). Die Polyvagal-Theorie in der Therapie: Den Rhythmus der Regulation nutzen. Probst, G. P. Verlag.
Porges, S. W., Deb, D. (2019). Klinische Anwendungen der Polyvagal-Theorie: Ein neues Verständnis des Autonomen Nervensystems und seiner Anwendung in der therapeutischen Praxis. Probst, G. P. Verlag.
Vogt, R. (2004). Beseelbare Therapieobjekte: Strukturelle Handlungsinszenierungen in einer körper- und traumaorientierten Psychotherapie. Psychosozial-Verlag.
Vogt, R. (2013). SPIM 30. Behandlungsmodell für dissoziative Störungen. Kröning: Asanger Verlag.
Vogt, R. (2018). Das traumatisierte Gedächtnis – Schutz und Widerstand: Wie sich traumatische Belastungen in Körper, Seele und Verhalten verschlüsseln und wieder auffinden lassen. Lehmanns Verlag.

Dr. Olaf Dieball

Dr. med. Olaf Dieball, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie. Zusatzbezeichnungen Manuelle Therapie, fachgebundene Radiologie, Sonographie, Rettungsmedizin, psychosomatische Grundversorgung.
Ausbildung im Herzzentrum Leipzig, BG Klinik Bergmannstrost in Halle und Collm Klinik Oschatz. Gesellschafter einer Orthopädischen Praxisgemeinschaft in Bitterfeld, Sachsen Anhalt und zertifizierter Hauptoperateur und Oberarzt am Endoprothetikzentrum des Gesundheitszentrums Bitterfeld-Wolfen. Interesse und Weiterbildungen in Schmerztherapie, fachgebundener Psychotherapie und Fortbildung zum Traumafachberater für die Betreuung von Menschen mit komplexen/dissoziativen Psychotraumafolgestörungen mit dem Verfahren SPIM 30 am Traumainstitut Leipzig.

„Was der Geist vergessen hat, das hat der Köper nicht vergessen –dankenswerterweise“
- Sigmund Freud –

Die Bedeutung von Trauma, Traumagedächtnis und der psychosomatischen Verarbeitung für den Alltag in einer allgemeinorthopädischen Praxis

Beschwerden am Haltungs- und Bewegungsapparat gehören zu den häufigsten Ursachen für einen Arztbesuch in Deutschland. Sie sind deutschland- und weltweit die führende Ursache von chronischen Schmerzen, körperlichen Funktionseinschränkungen und Verlust an Lebensqualität. Orthopädische Prozeduren und Eingriffe zählen zu den Kostentreibern in unserem Gesundheitssystem.
Trotz unzähliger wissenschaftlicher Analysen, perfektionierten operativen Techniken und umfangreichen additiven Maßnahmen gibt es seit Jahren nicht weniger, sondern immer mehr Patienten mit chronischen Schmerzen des Stütz- und Bewegungsapparates.
Der Vortrag gibt einen Überblick über den aktuellen Stand der Konzepte und Verfahren bei der Versorgung von Patienten mit Schmerzen auf orthopädischem Fachgebiet.
Von zentralem Interesse sind hierbei insbesondere Verläufe, bei denen keine eindeutig orthopädisch-somatische Schmerzursache definiert werden kann. So soll die Bedeutung von psychotraumatischen Erfahrungen und deren Einfluss auf die Körperwahrnehmungen und die Schmerzverarbeitung von Patienten in der orthopädischen Praxis aus der Sicht eines konservativ und operativ tätigen Facharztes für Orthopädie dargestellt werden. Eine Analyse „missglückter“ orthopädischer Behandlungsversuche bei Patienten mit psychischen Traumafolgestörungen und ein multidisziplinärer Behandlungsansatz dieser Patienten im ambulanten orthopädischen Kontext werden vorgestellt.

Literatur:

Balint, Michael: Der Arzt, sein Patient und die Krankheit, Klett-Cotta, 11. Auflage, 2010
Levine, Peter A.: Trauma und Gedächtnis – die Spuren unserer Erinnerungen in Körper und Gehirn, Kösel Verlag München, 2. Auflage, 2016
Nold Helmut und Wenninger Gerd ( Hrsg. ): Rückengesundheit und psychische Gesundheit, Asanger Verlag Kröning, 2015
Pfankuch, Oliver: Schmerzkarrieren und Schmerzidentitäden – Die Formierung von Schmerzpatienten zu chronischen orthopädischen Schmerzpatienten, Kassel University Press, 2014
Vogt, Ralf: SPIM 30 – Behandlungsmodell dissoziativer Psychotraumastörungen, Konzeptbegriffe - Materialien – Langzeitfallbeispiele, 2014 Vogt, Ralf: Das traumatisierte Gedächtnis – Schutz und Widerstand, Wie sich traumatische Belastungen in Körper, Seele und Verhalten verschlüsseln und wieder auffinden lassen, 2018 Willert, Hans-Georg und Gisela ( Hrsg. ): Psychosomatik in der Orthopädie, Verlag Hans Huber, 1991

Elgin Bröhmer

Elgin Bröhmer, arbeitet seit 2004 als Strafverteidigerin in Berlin, sie vertritt sowohl Täter als auch Opfer. Wohl ihre Freude an Perspektivwechseln führte sie in das gelegentlich vermint erscheinende Grenzgebiet von Strafjustiz und Traumafolgeerkrankungen.

Recht schwierig; Mandate mit und von dissoziativen Personen

Dissoziative Identitätsstörungen stellen Anwältinnen und Anwälte vor erhebliche tatsächliche, rechtliche und ethische Probleme. Bereits das gemeinsame Finden eines (allgemein akzeptierten) Arbeitsauftrages ist oft eine Herausforderung. Immer wieder tauchen Fragen und Befürchtungen auf, die man – für verschiedene Alters- und Entwicklungsstufen der DIS-Klienten separat verständlich – erklären muss. Ist dann alles erklärt und abgestimmt, treten die ersten destruktiven DIS-Anteile auf den Plan, was zu Turbulenzen führt, weil die Vermittlung von Realitätsprinzipien nicht einfach ist. Gedanklich im Hintergrund schlummert immer die Frage, ob man gerade wirklich die Interessen der Mandanten oder die einer dahinterstehenden Gruppe im Innen oder Außen vertritt. Auch die Verwirrung mit anderen Behandlern und deren Ansichten zur Justiz sind ein Problem. Auf der anderen Seite beeindrucken die MandantInnen mit teils unglaublicher Kreativität, mit Mut, starken Gefühlen und außergewöhnlichen Alltagserfahrungen.

Hubertus Teschner

Zahnarzt, Approbation 2005 in Leipzig, bis 2009 Assistenzzahnarzt in der chirurgischen Prothetik und Epithetik der Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik und Werkstoffkunde Leipzig, 2010 Niederlassung in eigener Praxis in Schkeuditz bei Leipzig, zertifizierter Berater der Positiven Psychologie (SHB), Trainer für medizinische und therapeutische Kommunikation, Prävention und Resilienzförderung (SHB), Arbeit verstärkt mit Patienten mit Zahnarztphobie seit 2012.

Zur Behandlungsfähigkeit von Patienten mit Zahnarztphobie

60 - 80% der Allgemeinbevölkerung geben ein angespanntes Gefühl vor dem Zahnarztbesuch an. Bis zu 20 % zeigen ein Angstempfinden und 5 % vermeiden den Besuch beim Zahnarzt völlig. Angstpatienten wie bspw. Traumapatienten haben ganz besonders schwierige Vermeidungs- und Ausweichstrategien.
Gerade bei diesen Patienten spielen die beziehungsseitigen kommunikativen Fähigkeiten des Behandlers sowie des gesamten zahnärztlichen Teams eine entscheidende Rolle. Wie kann man bspw. mit kindlich anmutenden Angstzuständen bei äußerlich erwachsenen Klienten umgehen?
Leider fehlt Zahnmedizinern bis heute die Ausbildung in psychosomatischen Grundlagen und medizinischer Kommunikation im Rahmen ihres Studiums.
So kann der Zahnarzt nur postgraduiert kommunikative Kompetenz und Grundkenntnisse der Psychosomatik erlangen.
Im Vortrag sollen Beispiele von erfolgreichen Zahnbehandlungen von sehr angstbesetzten Klienten beschrieben und Lösungsansätze diskutiert werden. Wesentlich ist dabei auch die enge Zusammenarbeit mit Psychotherapeuten und Ärzten verschiedener Fachgruppen.

Patrick Swoboda

Internist, stationäre Tätigkeit als Kardiologe in den Bereichen Kardiologie, Intensivmedizin und der Notaufnahme im Klinikum St. Georg in Leipzig. Er absolviert parallel dazu seine Ausbildung zum Traumatherapeuten und arbeitet ehrenamtlich im Psychotraumazentrum Leipzig.

Erkenntnisse zu einer traumabedingten Herzerkrankung

Viele Menschen leiden an Herz- und Herzrhythmusstörungen, wobei Herzinfarkte für die meisten ein Bedrohungsschwerpunkt sind. Es soll im Vortrag über eine Herzerkrankung berichtet werden, die gerade bei Psychotraumapatienten als komplizierte psychosomatisch forcierte Störung auftritt.

Literatur:

Herrmann-Lingen, Christoph; Albus, Christian & Titscher, Georg (2019): Psychokardiologie – Ein Praxisleitfaden für Ärzte und Psychologen. Berlin: Springer
Kunert, Matthias & Ulbricht, Ludger J. (2010): Praktische Echokardiographie. Lehrbuch und DVD mit Video-Atlas. Köln: Deutscher Ärzteverlag
Lapp, Harald & Krakau, Ingo (2014): Das Herzkatheterbuch. Diagnostische und interventionelle Kathetertechniken. Stuttgart: Georg Thieme
Pinger, Stefan (2019): Repetitorium Kardiologie. Für Klinik, Praxis und Facharztprüfung. Köln: Deutscher Ärzteverlag
Thelen, Manfred; Erbel, Raimund; Kreitner, Karl-Friedrich & Barkhausen, Jörg (2007): Bildgebende Kardiodiagnostik mit MRT, CT, Echokardiographie und anderen Verfahren. Stuttgart: Georg Thieme
Vogt, Ralf (2014): SPIM 30 – Behandlungsmodell dissoziativer Psychotraumastörungen. Konzeptbegriffe, Materialien, Langzeitfallbeispiele. Kröning: Asanger

Bachfest Leipzig

Unsere Tagung findet während des Internationalen Bachfestes vom 11. - 20. Juni 2021 in Leipzig statt. Interessenten sollten sich langfristig Karten sichern.

Mehr Informationen zu Kartenbestellungen und Programm finden Sie im Netz unter:
www.bachfestleipzig.de




Veranstalter

Trauma-Institut-Leipzig an der Akademie für Ganzheitliche Psychotherapie Fortbildungszyklen für Traumafachberater und Psychotraumatherapeuten

Akademie für Ganzheitliche Psychotherapie (gemeinnützige Organisation) Fortbildung in trauma- und körperorientierter schulenübergreifender Psychotherapie