Internationales Traumasymposium am 11. - 12. Juni 2021 in Leipzig zum Thema:

Die Dissoziative Identitätsstörung und Probleme der interdisziplinären Behandlung

Ekel – als Folgestörung und als Hintergrund psychosomatischer Erkrankungen
Kongress 2009

Zeit Sprecher Programm
13:30

Workshops Teil 1

13:30 Fr. TFB Bergmann, Fr. TFB Siegert

Frühe Intervention in der Schwangerschaft bis zum Ende des 1. Lebensjahres

Im ersten Teil des Vortrages soll eine Übersicht über die aktuellen Forschungsergebnisse im Bereich frühe Intervention und Videointervention gegeben werden. Es wird ein Augenmerk auf das Präventionsprogramm SAFE® (Sichere Ausbildung Für Eltern) unter besonderer Berücksichtigung des Feinfühligkeitstrainings speziell in Leipzig gelegt und Perspektiven aufgezeigt. Das Präventionsprojekt, entwickelt von PD Dr. med. Karl-Heinz Brisch (Dr. von Haunerschen Kinderspital München) richtet sich an werdende Eltern zum Aufbau einer guten Bindung zu ihrem Kind. Anschließende werden einzelne Module des SAFE®-Programms von aktiven SAFE®mentoren vorgestellt und diskutiert. Das meist tabuisierte Ekelerleben in der Spätschwangerschaft, Geburt und im ersten Lebensjahr des Kindes soll auf der Grundlage von praktischen Erfahrungen aus SAFE®-Treffen anhand von anschaulichen Beispielen exemplarisch demonstriert werden. Eine anwendungsbezogene Achtsamkeitsübung zum Thema „Umgang mit Ekelgefühlen“ soll vorgestellt und in Ansätzen gleich ausprobiert werden. Das Ziel dieser körperorientierten Intervention ist einerseits ein bewusster (reflektierter) Umgang mit dem eigenen Ekel und andererseits eine gute innere Stabilisierung bei drohendem Überflutungs- oder Überforderungsserleben durch den Ekel. Wichtige Punkte des Vortrages können abschließend diskutiert und Fragen gestellt werden.

13:30 Ph.D. George F. Rhoades, Jr. (Hawaii, USA)

Ekel und sexueller Missbrauch

Diese Präsentation konzentriert sich im Schwerpunkt auf Ekelgefühle, die sowohl bei Therapeuten als auch bei Patienten auftreten, wenn es um die Behandlung von sexuellem Missbrauch geht. Ekel entsteht für die Patienten meist in Bezug zum sexuellen Missbrauchsakt, dem Missbraucher, auf sich selbst als Opfer bezogen sowie auf die Sexualität an sich. Ekel konzentriert sich für die Therapeuten oft auf die Unmenschlichkeit eines Menschen am anderen und dass Bedürfnis die Patienten vom Missbrauchserleben zu lösen. Nicht selten geraten Therapeuten aufgrund persönlicher Vorsichts- und Vermeidungshaltungen in persönliches Wut- und Burnouterleben. Spezielle Vorsichtsregeln werden für Therapeuten beschrieben, die sich entschlossen haben auch Missbraucher im Rahmen von Inzest- und Phädophiliefällen zu behandeln.

Der Vortrag wird mit einem Dolmetscher übersetzt.

13:30 Fr DP I. Vogt, Dr. R. Vogt

Ekel in der ambulanten Behandlung von komplexen Traumafolgestörungen

Im Hauptvortrag werden zunächst die theoretischen Bezüge des körperpsychotherapeutischen Konzeptes innerhalb des SPIM-20_KT-Ansatzes erläutert und die Verbidnung zur alltäglichen Behandlung von komplextraumatisierten Patienten hergestellt. Es zeigt sich in Einzelfallstudien sehr genau, dass das psychodynamische Thema des interaktionell wahrgenommenen und verinnerlichten Ekelgefühls eine zentrale Bedeutung bei der Entstehung von Opfer- und Täterübertragungen bzw. Schädigungsintrojektionen besitzt. Dieses wird gerade durch eine körperorientierte Therapie bei o. g. Psychotraumapatienten schnell bewusst, was den sorgfältigen Aufbau von therapieförderlichen Wahrnehmungs- und Handlungsstrukturen erfordert. Im Vortrag werden psychagogische, settingbezogene und phasenbezogene Kriterien am Fallbeispiel erläutert wie mit diesen Komplikationen in der Einzel- und Gruppenpsychotherapie respektvoll und zielgerichtet im psychotherapeutischen Rahmen umgegangen werden kann. Ein Aspekt dieser Settinggestaltungen ist der Einsatz von beseelbaren Therapieobjekten als Triangulator der therapeutischen Beziehung bzw. Hilfsmittel der nachnährung bei der Ekelbearbeitung nach möglichen Psychotraumaexpositionen. Hierzu werden neben therapeutischen Langzeiterfahrungen auch Befragungserlebnisse von komplextraumatisierten Langzeitpatienten ausgewertet.

15:00
Kaffeepause, Buchverkauf, Buchverkauf, Verkaufs- und Infostände
15:30
Workshops: Teil 2
15:30
Fortsetzung s. o.
17:00
Kleine Pause
17:15
Plenum mit allen Referenten und Teilnehmer zu Erkenntnissen, Anfragen, Diskussionen des Tages
18:00
Sekt-Empfang und Begrüßungstreffen von Referenten und Teilnehmern
Zeit Sprecher Programm
8:00
Öffnung der Anmeldung, Buchverkauf, Verkaufs- und Infostände
8:45
Symposiumseröffnung, Grußworte der Veranstalter
9:00 Prof. Krause Saarbrücken

Der ekelige Körper in der Analyse

In einem ersten Teil werden die empirischen Befunde über die Funktion, Phylo- und Ontogenese der Ekelemotion berichtet. Ekel ist eine sehr häufige Emotion, deren Funktion der Schutz des Objekts vor Gift, Infektionen und als schädlich erlebten sozialen Unordnungen ist. Auslöser sind Geruchs- und Geschmacksmoleküle bis hin zu moralischen Überschreitungen. Die hirnphysiologischen Reaktionen sind unabhängig von Auslösern immer gleich. Introspektiv ist Ekel vor allem im interpersonellen Bereich und in unserer sehr egalitär definierten Kultur stark tabuiert. Ekel dient als zentrale Abwehrkonfiguration gegen sexuelle Strebungen und Leidenschaften. In einem zweiten Teil werden in einer Vignette diejenigen Anteile einer Langzeitbehandlung herauspräpariert, die als Inszenierungen einer Geruchs- und Körperwelt den Prozess von Übertragung und Gegenübertragung im Hier und Jetzt steuern. Diese Szenen werden als Bebilderung und Geruchsdarstellungen von sehr frühen Mutter-Kind-Erfahrungen verstanden, die über die Darstellung diskursfähig werden. Der Ausgang der Analysen wird dadurch entschieden, ob es möglich ist, affektiv komplementär auf die Ekelinszenierungen zu reagieren.

10:15
Große Kaffeepause, Buchverkauf, Verkaufs- und Infostände
10:45 Dr. R. Vogt Leipzig

Ekel in der ambulanten Behandlung von komplexen Traumafolgestörungen

Im Hauptvortrag werden zunächst die theoretischen Bezüge des körperpsychotherapeutischen Konzeptes innerhalb des SPIM-20_KT-Ansatzes erläutert und die Verbidnung zur alltäglichen Behandlung von komplextraumatisierten Patienten hergestellt. Es zeigt sich in Einzelfallstudien sehr genau, dass das psychodynamische Thema des interaktionell wahrgenommenen und verinnerlichten Ekelgefühls eine zentrale Bedeutung bei der Entstehung von Opfer- und Täterübertragungen bzw. Schädigungsintrojektionen besitzt. Dieses wird gerade durch eine körperorientierte Therapie bei o. g. Psychotraumapatienten schnell bewusst, was den sorgfältigen Aufbau von therapieförderlichen Wahrnehmungs- und Handlungsstrukturen erfordert. Im Vortrag werden psychagogische, settingbezogene und phasenbezogene Kriterien am Fallbeispiel erläutert wie mit diesen Komplikationen in der Einzel- und Gruppenpsychotherapie respektvoll und zielgerichtet im psychotherapeutischen Rahmen umgegangen werden kann. Ein Aspekt dieser Settinggestaltungen ist der Einsatz von beseelbaren Therapieobjekten als Triangulator der therapeutischen Beziehung bzw. Hilfsmittel der nachnährung bei der Ekelbearbeitung nach möglichen Psychotraumaexpositionen. Hierzu werden neben therapeutischen Langzeiterfahrungen auch Befragungserlebnisse von komplextraumatisierten Langzeitpatienten ausgewertet.

12:00
Mittagspause und Imbiß, Buchverkauf, Verkaufs- und Infostände, Festabend-Tickets
13:00 Prof. Gieler Gießen

Zur Psychosomatik des Ekels

Im Hauptreferat werden zunächst hirnphysiologische und biochemische Aspekte des Ekelgefühls anhand neuerer Erkenntnisse erläutert. Die besonderen psychosomatischen Zusammenhänge von Ekelgefühlen lassen sich bei vielen Hautkrankheiten besonders eindrücklich nachweisen. Die Wechselwirkungsaspekte von Körper und Seele erlangen gerade bei Ekel eine seismografische Bedeutung. Hierzu sollen Beispiele aus der stationären Praxis anschaulich erläutert und in wichtigen Vignetten der Pathogenese und Behandlung erläutert werden.

13:00 Prof. Loew, Fr. Eberhard-Kaechele Regensburg, Leverkusen

Die Bedeutung des Behältnisschematas für die Verarbeitung von Ekelempfindungen

Ein gesundes Ekelgefühl bewirkt die neuronale Ko-Aktivierung von motorischen, affektiven und kognitiven Strukturen des „Behältnisschematas“ (Johnson 2007). Demnach werden in diesen drei Bereichen Innenraum, Grenze und Außenraum differenziert. Der Beitrag diskutiert die Störung des Behältnisschematas bei Traumatisierung, die Folgen für die therapeutische Beziehung als Behältnis, und tanztherapeutische Möglichkeiten der Intervention.

14:10
Kleine Kaffepause, Buchverkauf, Verkaufs- und Infostände
14:30 Fr. DP I. Vogt Leipzig

Fallanalyse zum Ekel in der ambulanten Praxis einer Psychotraumafolgestörung

Der rote Faden dieses Hauptvortrages wird beim Rahmenthema Ekel durch eine Einzelfallanalyse bzw. Behandlungsvignetten aus der Einzel- und Gruppenpsychotherapie von komplextraumatisierten Patienten gehalten. Dabei kommen zunächst kurze anamnestische und traumavorfallsbezogene Kontexte der Klienten zu Gehör, welche die Entstehung von massiven Ekelgefühlen maßgeblich nach dem Erleben der Patienten hervorgerufen bzw. den Prozess der innerpsychischen Einprägung über lange Zeit mit bewirkt haben könnten. Wichtig ist dabei, dass verbale Äußerungen und Verhaltensweisen von komplextraumatisierten PatientInnen zu Beginn der Behandlung, wo die Ekelerfahrungen zum großen Teil noch unbewusst bzw. in diffuser Phänomenologie existierten von den verbalen und verhaltensseitigen Interaktionen in der fortgeschrittenen Psychotherapie einfühlsam diagnostiziert und unterschiedlich bearbeitet werden. Je nach dem klientenmöglichen Niveau der innerpsychischen Zuordnung kann bzw. muss mit den individuellen interaktionellen Wahrnehmungsangeboten differenziert gearbeitet werden. Feinsinnige Wahrnehmungen, Erinnerungen und Bedürfnisse zur individuellen Bearbeitung von Ekelgefühlen gestalten die Therapiebeziehung sowie insbesondere die Einrichtung von Psychotraumaexpositionssettings maßgeblich mit.

14:30 Fr. DP Kluwe-Schleberger Rohr

Du ekelst dich – ich ekel (nicht) mit – NLITT zur Überwindung hemmender Übertragungs- und Gegenübertragungsgefühle in der Therapie traumatisierter Patienten

NLITT ist eine ressourcenorientierte Behandlungsmethode, die die Vorzüge von imaginativen Verfahren und EMDR miteinander verbindet. Ekel und Scham sind häufig hemmende Leitgefühle in der Traumatherapie. Ressourcenorientiertes Arbeiten mit NLITT kann die imaginativen und kinästhetischen Basisgefühle des Ekels durch den Aufbau und Integration entlastender Ressourcen deutlich abmildern und so dabei helfen das Schwere leichter zu machen.

15:30
Große Kaffeepause, Buchverkauf, Verkaufs- und Infostände, Festabend-Tickets
16:00 Dr. Thielen Berlin

Ekel ist eines der Basisgefühle und tritt insbesondere nach tiefen und traumatisierenden Demütigungen und Verletzungen auf. In der körperpsychotherapeutischen Be- und Verarbeitungen von diesen Erfahrungen spielt der Ausdruck der dazu gehörigen und häufig abgespaltenen oder verdrängten Emotionen eine wichtige Rolle. Insbesondere bei Opfern von sexuellen Missbrauch kann der Ausdruck von Ekel neben Schmerz und Wut u.a. dazu beitragen, die traumatischen Erlebnisse schrittweise zu verarbeiten. Wie alle Gefühle hat auch der Ekel eine körperliche Seite, die sich in Mimik, Körperhaltung und Stimme nonverbal ausdrückt. Anhand von Fallvignetten wird das körperpsychotherapeutische Vorgehen bei der Unterstützung und Beförderung von eher vermiedenen Gefühlen wie Ekel am Beispiel von sexuellem Missbrauch verdeutlicht. Häufig erfolgt er bereits in der Kindheit bzw. frühen Kindheit in der Familie, deshalb hat die tiefenpsychologische Herausarbeitung der Genese des Missbrauchs einen besonderen Stellenwert in der Therapie. In der Dialektik von Beziehungs- und Körperarbeit soll die Förderung der Selbst- und der emotionalen Regulation des PatientIn in der Integrativen Körperpsychotherapie verdeutlicht werden. Dabei kommen auch Ergebnisse der Säuglings- Bindungs- und Hirnforschung zum Tragen.

16:50
Kleine Pause, Buchverkauf, Verkaufs- und Infostände
17:00 Fr. Dr. Trautmann-Voigt Bonn

Selbsthass, Sexualität und Ekel

Am Beispiel von massiven Essstörungen wird das Thema Ekel, Selbsthass und Abwehr von Sexualität behandelt. Eine Mischung aus einzel-, paar- und gruppentherapeutischen Verfahren hat sich ebenso bewährt wie die Kombination von tiefenpsychologischen, körpertherapeutischen und traumaorientierten Interventionen. Das Konzept der methodenintegrativen Psychotherapie im rhythmisch-dynamischen Handlungsdialog wird in Theorie und Praxis entfaltet. Der Ekel wird als Deckeffekt für selbstdestruktive Strebungen gedeutet und als Schutzmechanismus vor übergriffigen Beziehungserfahrungen verstanden. Im Vortrag und begleitendem Workshop werden Interventionsmöglichkeiten vorgestellt und unter multimodaler Perspektive diskutiert.

17:00 Fr. TFB Siegert, TFD Hajduk, TFD Richter Leipzig, Rathendorf

Haltgebende und nachnährende beseelbare Objekte

Nach einer kurzen theoretischen Einführung zur Entwicklung der Arbeit mit beseelbaren Objekten in der Psychotherapie werden in diesem Workshop haltgebende und nachnährende Objekte zur Anwendung in therapeutischen Settings vorgestellt, die den TeilnehmerInnen im Verlauf auch direkt zum Ausprobieren angeboten werden. Beseelbare Therapieobjekte sind Symbolisierungsmedien, die zur Gestaltung von Therapiesettings verwendet werden. KlientInnen können diese Objekte in sehr invidueller Form beseelen, was gerade in der trauma- und körperorientierten Therapie wichtig ist. Fast alle Objekte können als haltgebende und nachnährende Objekte beseelt werden. Eigens zu diesem Zweck sind beispielsweise die Tauwippe, das Klammerpferd, die Kinderschaukel, die Hängematte, das Kuschel- bzw. Riesenei, der Nestsack, die Riesentonne, das Thronbett, das Krankenbett und die Trage entwickelt worden. Haltgebende und nachnährende Objekte zusammen mit Berührungen der Therapeutin/ des Therapeuten haben unter anderem besondere Wichtigkeit bei regressiven Begegnungen mit kindlichen Anteilen von Erwachsenen im Traumazustand, bei der Darstellung der Beziehungen in der Ursprungsfamilie und auch im Hier und Jetzt bei einer gesünderen Begegnung mit der Therapeutin/ dem Therapeuten. Sie können auch spielerisch sowie zur Erprobung von therapeutischen Lösungen eingesetzt werden. Im Workshop werden drei konkrete Objekte vorgestellt und deren Anwendungsmöglichkeiten herausgearbeitet: das Riesenei, die Riesentonne und die Trage. Alle Teilnehmer sind freiwillig eingeladen, diese ausgewählten Settings je nach Zeitbudget danach auszuprobieren.

17:50
Kleine Pause, Buchverkauf, Verkaufs- und Infostände
18:00- 18:45
Plenum für alle Referenten und Teilnehmer zu Erkenntnissen, Anfragen, Diskussionen des Tages
20:00
Symposiumsfest mit kaltem Bufett, Tanz und Leipziger Künstlern (Eintrittskarten notwendig)
Zeit Sprecher Programm
8:00
Öffnung der Anmeldung, Buchverkauf, Verkaufs- und Infostände
8:45
Begrüßung zum Abschlußtag des Symposiums
9:00 Dr. Hirsch Düsseldorf

Zur Abwehrfunktion des Ekelaffekts

Wie die Scham ist auch der Ekelaffekt in der Psychoanalyse wenig beachtet worden. Beide dienen der Abwehr eigener Impulse und Bestrebungen, besonders sind sie aber auch eine Barriere gegen negative Einwirkungen von außen. Ekel als körpernaher Affekt rückt in die Nähe von Übelkeit und Erbrechen bzw. der hysterischen Angst vor diesen. Die Schutz- und Abwehrfunktion des Ekels in Psychodynamik und analytischer Psychotherapie wird untersucht.

10:15
Große Kaffeepause, Buchverkauf, Verkaufs- und Infostände
10:45 Fr. Dr Hochauf Altenburg

Aspekte des Ekels bei der Rekonstruktion von Traumata

Starke körperliche, affektive und emotionale Reaktionen – wie u. a. Scham- und Ekelempfindungen – stellen im Rahmen komplexer Traumatisierungen oft ein Abwehrgeschehen über mehrere Zeitebenen dar. Derartige Abwehrkonfigurationen beinhalten dann zentrale Momente verschiedener Traumata. Die dazu gehörenden Übertragungsaspekte stellen bezogen auf diesen Fokus, ebenfalls ein Geflecht aus Ich-Zuständen und Introjektabbildungen, also eine Vermischung eigener Gefühlsqualitäten und projizierter Gefühle von Täter und Retterpersonen dar, mit der Gefahr von Identitätsvermischungen.

Zentrales Thema des Vortrages soll deshalb die rekonstruktive Entflechtung dieser Abwehrkonstellationen in Kontext und Beziehungsaspekt sein.

12:00
Mittagspause und Imbiß, Buchverkauf, Verkaufs- und Infostände
13:00 Prof. Joraschky Dresden

Fremd-Körper. Berührungsangst und Ekel.

Verminderte Körperakzeptanz ist bei Patientinnen mit Anorexia nervosa und Zwanghaftigkeit wie auch bei Patientinnen mit Borderline-Persönlichkeitsstörungen mit komplex-traumatischer Geschichte besonders häufig und hartnäckig. Vor dem Hintergrund früher taktiler Deprivationserfahrungen oder Überstimulation durch Grenzüberschreitungen finden an der Haut als Abgrenzungsorgan typische Ausstoßungsprozesse statt: Die Patienten betrachten sich mit Abscheu, erleben Berührung als Ekel stimulierend und begegnen dem Körper mit genereller Aversion und Ausstoßung. Die enge Koppelung von Sexualität mit Ekelaffekten ist eine typische Konstellation bei diesen Patientengruppen. Im Hauptvortrag soll über derart psychosomatische-psychoanalytische Theorien und Praxisbeispiele zum Thema Ekel referiert werden.

13:00 Fr. Dr. med. Schlensog-Schuster, Fr. TFB Siegert, Fr. DP Bruns Leipzig, Berlin

Vorstellung SAFE® – Sichere Ausbildung für Eltern

Im Workshopseminar werden wichtige Erkenntnisse aus der modernen Bindungs- und Säuglingsforschung vorgestellt, die Inhalt dieses präventiven Trainingsprogramms für werdende Eltern sind. Nach diesen theoretischen Einführungen wird mit den teilnehmern ein training in der zwischenmenschlichen Feinfühligkeit vorgenommen, indem anschauliche Videobeispiele gemeinsam diskutiert und Lösungswege aufgezeigt werden. Die Workshopteilnehmer sollen im Seminar effektive Umgangstechniken zwischen Säugling und Eltern lernen bzw. gute eigene Erfahrungen vertiefen, sodass die unbewusste Weitergabe von neurotischen Konflikten oder Psychotraumata vermieden werden.

14:10
Kleine Kaffepause, Buchverkauf, Verkaufs- und Infostände
14:30 Dr. Reinert Leverkusen

Der Ekel in der therapeutischen Realität und seine Auswirkungen auf die Gegenübertragung des Analytikers

Hin und wieder kommt es in der therapeutischen Arbeit, insbesondere bei Therapeuten, die die Körperebene in die Behandlung einbeziehen, zu Ekelgefühlen. Es kann durchaus Schwierigkeiten aufwerfen, diese Gefühle zu handhaben, ohne den Patienten zu verletzen und ohne andererseits die Gefühle selbst zu verleugnen. Wie beeinflusst der Ekel-Affekt insbesondere die Gegenübertragung?

14:30 Fr. TFB Wetzig, Fr. TFD Martens Leipzig, Köln

Körpertherapeutische Settings zur Kontaktaufnahme und Arbeit mit klientenspezifischen Konkurrenz- und/oder Aggressionsverhalten

Die Körperpsychotherapie bietet ergänzend in der tiefenpsychologisch- fundierten als auch verhaltenstherapeutisch orientierten Praxis eine einfache und spielerische Möglichkeit mit Klienten sowohl in Kontakt zu gehen als auch vergangene Konflikte zu bearbeiten. In diesem Workshop werden den Teilnehmern körperorientierte Settings mit verschiedenen Objekten (Holzstäbe, Gymnastikball, gelber Kampfsack, roter Riesenklotz, schwarzer Riesensack) vorgestellt, welche einerseits zur nonverbalen Kontaktaufnahme mit Therapieneueinsteigern geeignet sind und andererseits zur therapeutischen Aufdeckung u. a. von Konkurrenz- und Aggressionsverhalten gut geeignet sind, um eine therapeutisch nützliche Mentalisierung zu fördern. Die jeweiligen Übungen werden zunächst demonstriert und erläutert. Im Anschluss erhalten die Workshopteilnehmer die Möglichkeit, die Settings unter Anleitung selbst auszuprobieren, um es abschließend gemeinsam auszuwerten.

15:30
Große Kaffeepause, Buchverkauf, Verkaufs- und Infostände
16:00 Ph.D. George F. Rhoades, Jr. Hawaii, USA

Ekel und sexueller Missbrauch

Diese Präsentation konzentriert sich im Schwerpunkt auf Ekelgefühle, die sowohl bei Therapeuten als auch bei Patienten auftreten, wenn es um die Behandlung von sexuellem Missbrauch geht. Ekel entsteht für die Patienten meist in Bezug zum sexuellen Missbrauchsakt, dem Missbraucher, auf sich selbst als Opfer bezogen sowie auf die Sexualität an sich. Ekel konzentriert sich für die Therapeuten oft auf die Unmenschlichkeit eines Menschen am anderen und dass Bedürfnis die Patienten vom Missbrauchserleben zu lösen. Nicht selten geraten Therapeuten aufgrund persönlicher Vorsichts- und Vermeidungshaltungen in persönliches Wut- und Burnouterleben. Spezielle Vorsichtsregeln werden für Therapeuten beschrieben, die sich entschlossen haben auch Missbraucher im Rahmen von Inzest- und Phädophiliefällen zu behandeln.

Der Vortrag wird mit einem Dolmetscher übersetzt.

16:00 Dr. Schwarzer, Fr. Dr. Zetler Leipzig, Naumburg

Ekel in der Onkologie – Abwehrmechanismus, persönliches Unvermögen oder Schutzfunktion?

Ist Ekel in der hämatologisch-onkologischen Praxis erlaubt? Wann stellt sich diese Frage? Welche Situationen bewirken das Gefühl des sich ekeln? Im Vortrag werden Behandlungsbeispiele aus der onkologischen Praxis vorgestellt, wo Gefühle des Ekels sowohl beim Patienten als auch beim Arzt unterschwellig oder direkten Gefühl auftreten. Es wird an Behandlungssituationen diskutiert, wie man würdevoll und eventuell diese Probleme ansprechen und so diskutieren kann, dass ein möglicher Behandlungsfortschritt eintreten kann.

16:50
Kleine Pause, Buchverkauf, Verkaufs- und Infostände
17:00 Prof. Wirth Gießen

Soziokulturelle und psychodynamische Grundlagen des Ekelns

Ekel ist eine anthropologische Tatsache, die den Menschen auszeichnet und ihn vom Tier unterscheidet. Ekel ist eine sehr körpernahe und sehr intensive Empfindung. Gleichwohl ist die Ekelempfindung nur als Potential gegeben; ihre konkrete Gestalt (unter welchen Umständen ekelt man sich vor was?) wird im Rahmen vorgegebener kultureller Muster vom Individuum biographisch erworben. Eng verknüpft mit dem Ekel ist die Scham und das Gefühl des Unheimlichen. Die Verbindung zwischen Ekel und Unheimlichkeit stellt in zahlreichen kulturellen Phänomenen (der Ästhetik des Hässlichen, dem Horrorfilm, dem Umgang mit Sterben und Tod etc.) ein zentrales Element dar.

Psycho- und beziehungsdynamisch hat Ekel zum einen eine Schutzfunktion vor der Erfahrung unliebsamer Nähe, zum anderen stellt der Ekel als Symptom eine Kompromissbildung zwischen Abwehr und dem lustvollen Genuss des Verdrängten dar, und schließlich kann das Subjekt im Ekel erkennen, dass eine Grenze überschritten wurde. Im reflexiven Selbstekel wird sich das Subjekt seiner schwachen ekligen Seiten bewusst und kann diese Selbsterkenntnis zur positiven Selbstveränderung oder zur Selbstzerstörung nutzen. Im Vortrag wird die psycho- und beziehungsdynamische Bedeutung des Ekels theoretisch beleuchtet, an klinischen Fallvignetten und ästhetischen Beispielen verdeutlicht und im Rahmen einer sozialpsychoanalytischen Betrachtung als kulturelles Phänomen gedeutet.

17:50
Kleine Pause, Buchverkauf, Verkaufs- und Infostände
18:00
Plenum für alle Referenten und Teilnehmer zu Erkenntnissen, Anfragen, Diskussionen des Tages
18:45- 19:00
Abschlußstatements zum Symposium




Veranstalter

Trauma-Institut-Leipzig an der Akademie für Ganzheitliche Psychotherapie Fortbildungszyklen für Traumafachberater und Psychotraumatherapeuten

Akademie für Ganzheitliche Psychotherapie (gemeinnützige Organisation) Fortbildung in trauma- und körperorientierter schulenübergreifender Psychotherapie