23./24. Juni 2023 - nächster Trauma-Kongress:

Methodenvielfalt in der Psychotraumatologie und die Wurzeln der Gewaltintrojekte

Exposé

Erfahrungen aus 20 Jahren mit dem SPIM-30-Modell

Traumapsychotherapie im engeren Sinne gibt es ca. 40 Jahre. Viele Behandlungskonzepte wie das SPIM 30-Modell nutzen körper-, gestalt- und imaginative Methoden, um fragmentierte Gedächtnisinhalte aufzuarbeiten. Bei der traumabedingten Bindungsangst und negativen Beziehungsübertragung als auch bei den Therapiekonzepten zu dissoziativen Anteilen und Affekten unterscheiden sich die Traumatherapiemodelle erheblich, weil die Psychotraumatologie noch mehr eine suchende als eine schon einheitlich standardisierte Wissenschaft ist.
Behandlungsindikationen und Therapieeffekte werden deshalb im SPIM 30-Modell seit dem Jahr 2000 untersucht, was neue theoretische Beiträge und neu kreierte Interventionsmethoden belegen. Beispielsweise ist die Behandlung von traumabedingten aggressiv-impulsiven Täterintrojekten bei von Menschen gemachten Psychotraumata - ein fachlich heiß diskutiertes Thema, wofür in SPIM 30 Bearbeitungsansätze in individueller als auch transgenerationaler Hinsicht geschaffen wurden (mit internationaler Anerkennung durch die Fachgesellschaft ISSTD). Außerdem sollen in unserer gesellschaftskritischen Therapiekonzeption weiter die sozialen, historischen und politischen Wurzeln von Psychotraumatisierungen interdisziplinär erforscht sowie psychoanalytische Hypothesen für transgenerationale Täter-Opfer-Ketten abgeleitet werden. Daraus könnten dann komplexere Behandlungsimplikationen sowohl für Behandler*innen als auch durch gesellschaftlich Verantwortliche abgeleitet werden.
Lassen Sie uns in Leipzig über neue Theorien, Praxisbeispiele, soziale Hintergründe und historische Thesen gemeinsam diskutieren, um weiter voneinander zu lernen!

Ihre,

DP Irina Vogt und Dr., DP Ralf Vogt

Neuerscheinung

Verwirrung, Spaltung und Dissoziation bei von Menschen gemachten Psychotraumata

Dissoziative Identitätsstörungen in vielfältigen Behandlungsformen

Fachbuch zum oben genannten Thema ist in Arbeit und wird zur Buchmesse im März 2022 erscheinen. Das Buch inkludiert sowohl Beiträge aus der unten genannten Konferenz, deren Abstracts Sie hier lesen können, als auch neue zusätzliche Beiträge der Referenten, anonymisierte Selbsterfahrungsberichte von Klienten, sowie neue Theorie- und Praxisbeiträge zum SPIM-30-Behandlungsmodell.

ISBN: 978-3-96543-189-8
ISBN (eBook): 978-3-96543-304-5

 

Rezessionen

Theres Fickl:

“Im Leben kommt es nicht darauf an, ein gutes Blatt in der Hand zu haben, sondern mit schlechten Karten gut zu spielen.” (R. L. Stevenson)
Der Psychotraumatologe Dr. Ralf Vogt, Trauma-Institut-Leipzig, hat in diesem Buch sowohl ein Team von Fachleuten aus verschiedenen Disziplinen als auch‚ zu -Fachexperten-gewordene Klient*innen zu Wort kommen lassen. Dabei liegt der Schwerpunkt in allen Kapiteln beim Thema der Verwirrungspotentiale der Opfer-Täter Dynamiken in Dissoziativen Identitätsstörungen (DIS).

Die von Ralf Vogt interessant ausgesucht und angeführten historisch nachvollziehbaren Fälle dienen dazu, dissoziative täterpsychologische Reinszenierungen besser verstehen und einordnen zu können. In diesem Buch wird unmissverständlich die durch von Menschen gemachten Psychotraumata, familiäre Gewalt, die intergenerationale Beziehungsgewalt, die politische, organisierte und rituelle sexuelle Gewalt thematisiert...
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Weitere Rezessionen:

Veranstaltungsort

Mediencampus Villa Ida - Leipzig

Adresse

Mediencampus Villa Ida
Poetenweg 28
04155 Leipzig

Referenten

Freitag

Dr. rer. nat., DP Ralf Vogt

13.00 Uhr


Indikationen und Effekte von Elementen einer analytisch-körperorientierten Traumabehandlung 

Vorgestellt werden Ausschnitte von Studienergebnissen einer neuen Prä-Post- sowie einer Querschnitts-Katamneseerhebung über Klient*innen, die mit Elementen der SPIM 30- Therapiemodellkonzeption im Rahmen einer psychotraumaorientierten Behandlung in Kontakt gekommen sind. Dabei zeigen sich Ähnlichkeiten mit Ergebnissen früherer Studien, die seit 2004 veröffentlicht wurden. Interessante Unterschiede und neue Erkenntnisse gibt es jedoch in den Selbstreflexionen der Klient*innen, die mit den veränderten Theoriebausteinen der SPIM 30-Modellierung korrespondieren. Neue Konzepte konnten helfen, besonders die aggressiven Auswirkungen von traumatischen Früh- und Langzeitprägungen in ihren Opfer- und Täteranteilsaspekten tiefgründiger zu behandeln.

Literatur:

Vogt, R. (2004). Beseelbare Therapieobjekte. Strukturelle Handlungsinszenierungen in einer körper- und traumaorientierten Psychotherapie. Gießen: Psychosozial-Verlag (Monografie).
Vogt, R. (2013). SPIM 30. Behandlungsmodell dissoziativer Psychotraumastörungen. Kröning: Asanger.
Vogt, R. (Hg.) (2022). Verwirrung, Spaltung und Dissoziation bei von Menschen gemachten Psychotraumata. Dissoziative Identitätsstörungen in vielfältigen Behandlungsformen. Berlin: Lehmanns Media.

Kurzvita:

Psychologischer Psychotherapeut in eigener Praxis seit 1992, zertifizierter Psychotraumatologe, Psychoanalytiker, analytischer Körperpsychotherapeut, systemischer Familientherapeut und Therapeut für Katathymes Bilderleben. Achtjährige klinische stationäre Tätigkeit, Fachpsychologe der Medizin. Past-Boardmember der ISSTD – International Society for the Study of Trauma and Dissociation (Fellow Award – 2011 sowie C. Wilbur Award 2017 für besondere theoretische und praktische Beiträge im Fachgebiet). Gründungsmitglied ESTD. Arbeit am eigenen Behandlungsprogramm seit 1996. Seit 2001 unter dem Titel SPIM-20- bzw. später SPIM-30 zusammen mit seiner Ehefrau. Ausbildungsleiter am Trauma-Institut-Leipzig. Zahlreiche Artikel- und Buchveröffentlichungen zum Fachgebiet Psychotrauma.

Dr. med. Milka van Est (NL)

14.05 Uhr


Über die Grenzen: eine Geschichte von Zärtlichkeit und Mut

Dieses Fallbeispiel aus einer niederländischen Praxis, beschreibt eine Psychotherapie einer dissoziativen Klientin, nachdem die Psychotherapeutin angekündigt hatte in den Ruhestand gehen zu wollen. Der Klientin selbst war ein Jahr vorher ihr Partner verstorben. Verlassungstrauma und traumatische Trauer erschweren die Therapie. Hier bewährten sich gerade Nachnährungssettings sowie die Arbeit mit Körpererinnerungen und Anteilesettings für chronifizierte Opfer- und Täterstates, welche intuitive Settingwandel einschließen und z.T. flexible Strukturmuster erfordern. SPIM 30-Settings geben hier Halt mit schwierigsten Traumaerfahrungen wohlwollend und respektvoll achtsam arbeiten zu können.

Literatur:

Kachler, R. (2021). Traumatische Verluste: Hypnosystemische Beratung und Therapie von traumatisierten Trauernden. Ein Leitfaden für die Praxis (Hypnose und Hypnotherapie). Heidelberg: Carl-Auer.
Ogden, P., Minton, K. und Pain, C. (2009). Trauma und Körper: Ein sensumotorisch orientierter psychotherapeutischer Ansatz. Paderborn: Junfermann.
Vogt, R. (Hrsg.) (2012). Täterintrojekte. Diagnostik und Behandlungsmodelle dissoziativer
Strukturen. Kröning: Asanger.

Dr. med. Van Est, Milka (NL)

ist Psychiaterin seit 2005, arbeitet in eigener Psychotherapiepraxis in der Nähe von Nimwegen (NL) und leitet eine Ambulanz mit 18 Niederlassungen. Schwerpunkt in der eigenen Praxis sind Dissoziative Traumafolgestörungen infolge zwischenmenschlicher Gewalt.

Sie ist eine zertifizierte Sensorimotor Psychotherapeutin nach Pat Ogden und Vorsitzende des Niederländischen Verbandes der Sensorimotor Psychotherapy®, wo sie sich für mehr körperorientierte Therapiearbeit einsetzt.

B.A. Soz.arb./päd. Kornelia Nake

14.40 Uhr


Soziale Arbeit und Traumafachberatung im Spannungsfeld der sozialpädagogischen Familienhilfe

Der Vortrag gibt einen Einblick in die traumazentrierte Sozialarbeit im Rahmen der intensiven sozialpädagogischen Familienhilfe. Die Arbeit steht im Spannungsfeld des doppelten Mandates zwischen Hilfe zur Erziehung und Kontrolle mit dem Ziel der Sicherung des Kindeswohls und Gewährleistung des Schutzauftrags. Dabei müssen einfühlsam dysfunktionale Verhaltensmuster der Erziehungsberechtigten gemeinsam analysiert und vor dem Hintergrund der Traumatisierungen in ihrer Biografie zugeordet werden. Ziel ist u.a. die Weitergabe von Gewalt und Vernachlässigung an die nächste Generation zu vermindern und ggf. zu durchbrechen. Übertragungen und Trigger stellen vor allem bei Familien im Zwangskontext eine große Herausforderung für das Arbeitsbündnis dar. In Fallbeispielen soll die Anwendung verschiedener Methoden des SPIM-30-Konzeptes erläutert werden.

Kurzvita:

Kornelia Nake ist Traumafachberaterin/Traumfachpädagogin i.A. (TIL) und Sozialarbeiterin/ Sozialpädagogin (B.A.). Sie hat Berufserfahrung in der Arbeit mit Menschen mit Komplextraumatisierung und DIS sowie in der Anwendung traumazentrierter Methoden nach dem SPIM-30-Konzept in verschiedenen Bereichen - Familienhilfe, ambulanter psychiatrischer Bereich, Soziotherapie und Traumafachberatung. Darüber hinaus vermittelt sie Traumawissen und die Anwendung traumasensibler Methoden in Seminaren.

Literatur:

Breitenbach, G.; Requardt, H. (2013). Komplex-systemische Traumatherapie und Traumapädagogik. Kröning: Asanger.
Gahleitner, S.B. (2013). Psychosoziale Traumaarbeit, Traumaberatung und Traumapädagogik. Eine kritische Bestandsaufnahme. In: J.M. Fegert; U. Ziegenhain; L. Goldbeck (Hrsg.). Traumatisierte Kinder und Jugendliche in Deutschland. Analysen und Empfehlungen zu Versorgung und Betreuung. Studien und Praxishilfen zum Kinderschutz. Weinheim: Beltz. S. 228–245. 2. Aufl.
Gebrande, J. (2021). Soziale Arbeit nach traumatischen Erfahrungen. Grundkenntnisse für den Umgang mit traumatisierten Menschen. Kompendien der Sozialen Arbeit. Baden-Baden: Nomos.
Vogt, R. (Hrsg.) (2012). Täterintrojekte. Diagnostik und Behandlungsmodelle dissoziativer Strukturen. Kröning: Asanger.
Vogt, R. (2014): SPIM 30. Behandlungsmodell dissoziativer Psychotraumastörungen. Kröning: Asanger.
Weiß, W.; Kessler, T.; Gahleitner, S.B. (Hrsg.) (2016). Handbuch Traumapädagogik. Weinheim: Beltz.

Dipl.-Psych. Thomas Haudel

15.40 Uhr


Psychotraumatisch bedingte Internetsucht und deren Behandlung

Im Vortrag wird eine Fallvignette zur Internetsucht mit traumatischer Genese und deren Hintergrund, Eingangssymptomatik und Behandlungsverlauf anschaulich vorgestellt. Psychotherapeutisch kommen Methoden der tiefenpsychologisch-fundierten Psychotherapie, der Biodynamischen Psychotherapie nach Boyesen, sowie SPIM 30-Konzeption nach Vogt zum Einsatz. Es zeigt sich gerade in dieser Kombination wie fruchtbar verschiedene Behandlungsansätze der körperorientierten Psychotherapie gerade bei von Menschen gemachten Traumata indikationsgerecht bei o.g. Suchtpatient*Innen kombiniert werden können.

Literatur:

Boyesen, G. (1994). Über den Körper die Seele heilen. Biodynamische Psychologie und Psychotherapie. München: Kösel. 7. Aufl.
Vogt, R. (Hrsg.) (2016). Täterbindung. Gruppentherapie und Soziale Neurobiologie. Kröning: Asanger.
Te Wildt, B. (2015). Digital Junkies. Internetabhängigkeit und ihre Folgen für uns und unsere Kinder. München: Droemer TB.

Dipl.-Psych. Thomas Haudel

Psychotherapeut in freier Praxis für Kinder, Jugendliche und Erwachsene in Berlin Prenzlauer Berg Ausbildungen in Tiefenpsychologisch-fundierter, Biodynamischer Psychotherapie (bei Gerda Boyesen), und Traumapsychotherapie (bei Ralf und Irina Vogt), Psychologe in der Erziehungs- und Familienberatungsstelle Berlin Friedrichshain/Kreuzberg, 2.Vorsitzender der Gesellschaft für Biodynamische Psychologie GBP e.V.

Dipl.-Psych. Thomas Haudel
haudel@biopsych.de

Soz.arb. Beatrix Zieglmeier & Dipl.-Lehrer Mike Zieglmeier

16.15 Uhr




Wie effektiv sind Trauma-Selbsthilfe-Gruppen

Es wird die Arbeitsweise einer Traumaselbsthilfegruppe (TSHG) vorgestellt, die über 10 Jahre nach den Kriterien Psychoedukation, Stabilisierung, sozialer Kooperation und psychodynamischen Verstehen von traumatischen Zusammenhängen arbeitet.
Die ersten Treffen der TSHG sind durch Verwirrungen, Übertragungen, Gegenübertragungen, kleine Machtkämpfe und Triggern gekennzeichnet. Durch Einzelgespräche und Gruppen werden nach und nach kleine Lichtblicke mit dissoziativen Opfer- und Täteranteilen sichtbar.
Reinszenierungen der Störungen und Rückschläge beschäftigen immer wieder die Gruppe. Diese Fallvignette verdeutlicht, wie facettenreich Störungen in einer TSHG sein können und wie Spaltung und Verleumdung Zerreißproben für die gesamte Gruppe sein können.
Die achtsame und sensible Arbeit mit Betroffenen von Trauma und Traumafolgestörungen im Rahmen der Selbsthilfe stellt eine besondere Herausforderung in der Gruppenarbeit dar und macht eine wohlwollende Anleitung, Begleitung und klare schriftliche Vereinbarungen in der Selbsthilfearbeit mit Traumaklient*innen notwendig.
Traumaselbsthilfegruppen (TSHG) können eine Therapie bestenfalls nicht nur begleiten, sondern auch den Weg dahin ebenen. Das Miteinander gibt Kraft, stärkt das Selbstvertrauen und die Zuversicht, die eigene Situation bewältigen zu können. Sie steigern außerdem das psychische Wohlbefinden und vermögen bei manchen Teilnehmern sogar das Kernproblem abzuschwächen. Die Gruppenarbeit fördert den Austausch von Informationen, stärkt soziale Kompetenzen und hat damit eine soziale Bedeutung für die Betroffenen im Alltag sowie vor und nach einer Psychotherapie.

Literatur:

Beckrath-Wilking, U.; Biberacher, M.; Dittmar, V.; Wolf-Schmid, R. (2013). Traumafachberatung, Traumatherapie & Traumapädagogik. Ein Handbuch für Psychotraumatologie im beratenden, therapeutischen & pädagogischen Kontext. Paderborn: Junfermann.
Hinsch, R.; Pfingsten, U. (2007). Gruppentraining sozialer Kompetenzen GSK. Weinheim: Beltz. 5. Aufl.
Hundertmark-Mayser, J.; Möller, B.; Balke, K.; Thiel, W. (2004). Selbsthilfe im Gesundheitsbereich. Nationale Kontakt und Informationsstelle zur Anregung und Unterstützung von Selbsthilfegruppen (NAKOS). Berlin: Robert Koch-Institut.
Spiegel, Hiltrud von (2011). Methodisches Handeln in der Sozialen Arbeit: Grundlagen und Arbeitshilfen für die Praxis. Stuttgart: UTB.
Vogt, Ralf (2014). SPIM 30. Behandlungsmodell dissoziativer Psychotraumastörungen. Kröning: Asanger.
Vogt, Ralf (Hrsg.)(2016). Täterbindung. Gruppentherapie und Soziale Neurobiologie. Kröning: Asanger.

Vita:

Beatrix Zieglmeier ist als Sozialarbeiterin, Traumafachberaterin (SPIM 30), Sozial- und Heilpädagoge, sowie Fachkraft für Kinderschutz vorwiegend im Bereich der Früh- und Elementarpädagogik, sowie der Integration und Frühförderung tätig.

Mike Zieglmeier ist als Diplom - Lehrer und Traumafachberater (SPIM 30) tätig. Gemeinsam haben sie die Traumahilfe Leipzig gegründet und leiten nach eigenem Konzept, in Anlehnung an das SPIM 30, Trauma-Selbsthilfegruppen.

Dipl.-Sängerin, Dipl.-Gesangspäd. Monika Trutt & Dipl.-Psych. Amrei Kluge

16.55 Uhr




Die Singstimme als Wegweiser und Türöffner in der Traumatherapie

Vieles, was traumatisierte Klienten erlebt haben, ist für sie unaussprechlich und allzu oft nicht mehr fühlbar, sondern unter dem Schutz der Dissoziation verborgen.

Die Singstimme kann über Klangfarbe, Volumen, Lautstärke und viele kleine Nuancen manches ausdrücken, was durch Dissoziation verborgen ist.

In der Arbeit mit der Stimme können so traumatische Erlebnisse bewusst werden und mittels SPIM 30-Anteilearbeit unter Einbeziehung der Stimme differenziert werden. Dies betrifft besonders die Erkennbarkeit von Introjekten in einem großen Spektrum.

In der Traumafachberatung mit Raum für Körper und Seele und den Ebenen von körperlicher Wahrnehmung, Stimmungen, Gefühlen, Gedanken, Atmosphäre und Bewegung mittels SPIM 30 führt dies oft zu tiefen Wahrheiten und Erkenntnissen. Erstarrungen und Widerstände können sich zeigen und im Verlauf lösen, sodass Entwicklung und Heilung möglich werden. Durch Fallvignetten werden Chancen und Möglichkeiten einer Zusammenarbeit zwischen der Traumafachberatung einer Musikpädagogin und einer Traumapsychotherapie aufgezeigt, wo oft der Therapieverlauf ins Stocken kommt, wenn der Klient „nicht ins Gefühl kommt“. Ebenso behindert eine psychische Blockade ein Vorwärtskommen im Gesangsunterricht.

Literatur

Vogt, R. (2007). Psychotrauma, State, Setting. Psychoanalytisch-handlungsaktives Modell zur Behandlung von Komplex-Traumatisierten. Gießen: Psychosozial.
Vogt, R. (Hrsg.) (2012). Täterintrojekte. Diagnostik und Behandlungsmodelle dissoziativer Strukturen. Kröning: Asanger.
Vogt, R. (Hrsg.) (2018). Das traumatisierte Gedächtnis-Schutz und Widerstand. Berlin: Lehmanns Media.
Fuchs, M. (Hrsg.) (2011). Stimme - Persönlichkeit – Psyche. Berlin: Logos.

Monika Maria Trutt

Diplom Sängerin, Diplom Gesangspädagogin, Traumafachberaterin.
Seit 2003 freischaffend und teilweise festangestellt als Gesangspädagogin tätig.
Sie unterrichtet als ehemalige Opernsängerin klassischen wie auch popular Gesang. Seit 2003 freischaffend tätig. Ihre Bühnentätigkeit führte sie in Engagements an Opernbühnen, aber auch zahlreiche Lieder und Arienabende zählen zu ihrem beruflichen Werdegang. Außerdem stand sie als Sängerin verschiedener Bands (Folk-Pop) auf der Bühne.
Nach der Ausbildung 2012 zur Traumafachberaterin nach SPIM 30 liegt der Schwerpunkt im Gesangsunterricht nicht nur in der reinen Stimmausbildung sondern auch im Erkennen und Beleuchten der Gründe für stimmliche Probleme und Blockaden unter dem Gesichtspunkt von traumatischen Erlebnissen.

Amrei Kluge

Hebamme, Dipl.-Psych., Psychologische Psychotherapeutin, Tiefenpsychologin, Traumapsychotherapeutin für Kinder, Jugendliche und Erwachsene in eigener Praxis seit 2014, Ausbildungen in SPIM 30, Katathymen Bilderleben, Psychodrama, Gesprächstherapie, Beschäftigung mit pränatalen und transgenerationalen Traumatisierungen, frühen Interaktionsstörungen zwischen Eltern und Kind und körpertherapeutischen Techniken.

Referenten

Samstag

Dr. Florian Huber

9.00 Uhr


Der Rathenau-Mord: eine neue Tätergeneration

Abstract

Vor hundert Jahren brachte eine nie dagewesene Mordserie die erste deutsche Demokratie an den Rand des Untergangs. Knapp 400 Menschen starben in nur vier Jahren, das Motiv der Täter war „Deutschland“. Die geheime Mörderorganisation „Consul“ und ihre Hintermänner sind heute vergessen, dabei stehen sie für einen Typus, der uns seither nie wieder verlassen hat: der des rechtsextremistischen Gewaltmenschen.
Die Anklagebank beim Prozess um die Ermordung des deutschen Außenministers Walther Rathenau im Oktober 1922 bietet den Ausgangspunkt, die biografischen Hintergründe einiger dieser Männer exemplarisch auszuleuchten – ihre familiären und beruflichen Karrieren, ihre Netzwerke, ihre Mentalitäten und Wertesysteme. Vom eifernden Kundschafter über den bedingungslosen Tatmenschen bis zum schattenhaften Terrorkommandeur entsteht so das Bild einer neuen Tätergeneration.

Literatur:

Huber, F. (2020). Die Rache der Verlierer. Die Erfindung des Rechtsterrors in Deutschland. Berlin: Berlin Verlag.
Huber, F. (2018). Hinter den Türen warten die Gespenster. Das deutsche Familiendrama der Nachkriegszeit. München: Piper.
Huber, F. (2015). Kind, versprich mir, dass du dich erschießt. Der Untergang der kleinen Leute 1945. München: Piper.

Vita

Florian Huber, geboren 1967 in Nürnberg, promovierte als Historiker zur Besatzungspolitik der Briten in Deutschland. In seinem historischen Sachbuch Rache der Verlierer – Die Erfindung des Rechtsterrors in Deutschland analysiert er den rechtsextremistischen Terror in den Anfangsjahren der Weimarer Republik. Zuvor veröffentlichte er Hinter den Türen warten die Gespenster. Das deutsche Familiendrama der Nachkriegszeit. Sein Bestseller Kind, versprich mir, dass du dich erschießt. Der Untergang der kleinen Leute 1945, wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt und von der Londoner Times unter die besten historischen Bücher des Jahres 2019 gewählt. Als Filmautor hat Florian Huber preisgekrönte Dokumentarfilme zu politischen und zeitgeschichtlichen Stoffen produziert, darunter der Mauerfall, die Olympischen Spiele von 1936 sowie die Irrtümer des Westens im Umgang mit Wladimir Putin.

Dipl.-Kunsttherap. Sabine Hampf

10.00 Uhr


Trauma und Journalismus: Zwischen Pressefreiheit und Lebensgefahr 

Pressefreiheit ist für die Meinungsbildung unabdingbar und damit ein Grundpfeiler der Demokratie. In letzter Zeit geraten Medienschaffende zunehmend unter Druck, in autokratischen Staaten, in den Krisenregionen der Welt, aber auch bei uns im eigenen Land. Häufig können Journalist*innen ihre wichtige gesellschaftliche Aufgabe nur unter schweren Bedingungen ausüben. Sie nehmen Gefahren in Kauf, opfern sich auf, erleben Gewalt mit und erleiden (sekundäre) Traumatisierungen. Durch welche Brille berichten uns Journalist*innen von den Schauplätzen der Welt? Und welche inneren Motivationen und Grenzen bewegen sie bezüglich ihrer Arbeit? Dieser Vortrag zeigt, wie Journalist*innen durch traumatherapeutische Kurzzeittherapien in einer Kombination von SPIM 30- und anderen Methoden stabilisiert und unterstützt werden können, um gerade mit diesen schweren psychischen Belastungen besser umgehen zu können.

Literaturhinweise / Quellen

Vogt, R. (2013). SPIM 30. Behandlungsmodell dissoziativer Psychotraumastörungen. Kröning: Asanger.
The Dart Center – Journalist Trauma Support Network: www.jtsn.org/dart-center.
European Center for Press and Media Freedom: www.ecpmf.eu.

Kurzvita

Sabine Hampf ist Diplom-Kunsttherapeutin, tiefenpsychologische Kinder- und Jugendlichentherapeutin, Traumatherapeutin, Heilpraktikerin für Psychotherapie und engagierte sich langjährig im Psychotraumazentrum Leipzig e.V. Sie arbeitet in eigener Praxis in Leipzig sowohl mit Kindern und Jugendlichen als auch mit Erwachsenen. Zudem ist sie seit 2015 in mehreren Einrichtungen für Geflüchtete als Supervisorin tätig und arbeitet traumatherapeutisch mit Journalist*innen, die in ihren Heimatländern gefährdet sind. www.sabine-hampf.de

Dr. rer. nat., DP Ralf Vogt

11.00 Uhr


Spaltung als Konzept von Widerspruch der Gegensätze mit dem Hintergrund von Gewalterfahrungen

Ausgehend von früheren Veröffentlichungen zur Entstehung von Opfer-Täter-Gewaltketten und psychopathologischen Erscheinungsformen von Täterintrojekten in Familie und Gesellschaft sollen widersprüchliche Bewertungssysteme im Rahmen von Täterenergien bei gestörten Einzelpersonen als auch in Form ausgewählter institutioneller politischer und religiöser Strukturen der Vergangenheit und Gegenwart aufgezeigt und diskutiert werden.
Das Problem der Psychotherapie kann darin gesehen werden, dass selbst für die motivierten Klienten kaum Behandlungskompetenzen auf adäquaten und ausreichenden Niveau angeboten werden als auch, dass schwerst gestörte Menschen nach psychotraumatischen Grunderfahrungen aufgrund unzureichender Behandlungseinsicht und –motivation durch das Netz der gesellschaftlichen Obhut fallen, wodurch eine gesündere soziale Gesamtentwicklung behindert wird.

Literatur

Vogt, R. (Hg.)(2014). Verleumdung und Verrat. Dissoziative Störungen bei schwer traumatisierten als Folge von Vertrauensbrüchen. Kröning: Asanger Verlag.
Vogt, R. (2020). Scham und Schuld bei traumatisierten Menschen. Beschämen und Beschuldigen als Machtmittel zwischenmenschlicher Gewalt. Berlin: Lehmanns Media.
Vogt, R. (Hg.) (2022). Verwirrung, Spaltung und Dissoziation bei von Menschen gemachten Psychotraumata. Dissoziative Identitätsstörungen in vielfältigen Behandlungsformen. Berlin: Lehmanns Media.

Kurzvita

Psychologischer Psychotherapeut in eigener Praxis seit 1992, zertifizierter Psychotraumatologe, Psychoanalytiker, analytischer Körperpsychotherapeut, systemischer Familientherapeut und Therapeut für Katathymes Bilderleben. Achtjährige klinische stationäre Tätigkeit, Fachpsychologe der Medizin. Past-Boardmember der ISSTD – International Society for the Study of Trauma and Dissociation (Fellow Award – 2011 sowie C. Wilbur Award 2017 für besondere theoretische und praktische Beiträge im Fachgebiet). Gründungsmitglied ESTD. Arbeit am eigenen Behandlungsprogramm seit 1996. Seit 2001 unter dem Titel SPIM-20- bzw. später SPIM-30 zusammen mit seiner Ehefrau. Ausbildungsleiter am Trauma-Institut-Leipzig. Zahlreiche Artikel- und Buchveröffentlichungen zum Fachgebiet Psychotrauma.

Dr. med. Franziska Schlensog-Schuster

12.00 Uhr


„Das vertraut – Fremde in mir“

Der Vortrag widmet sich einer Falldarstellung einer jugendlichen Patientin nach einer Nierentransplantation. Im Zuge der adoleszenten Entwicklung mit der notwendiger Autonomieentwicklung und Lösung von den elterlichen Primärobjekten stellte sich die Schwierigkeit dar, dass die transplantierte Niere von der konfliktbelasteten Mutter gespendet worden ist. Autoimmunologische Prozesse der Patientin mit Abstoßungsreaktionen des Transplantates dienten der Abgrenzung, aber auch der Autodestruktion. Mit dem Modell der Anteilearbeit, der Insel – sowie Ringesettings nach SPIM 30 konnten die Abstoßungsepisoden verringert werden und ein tiefgreifendes Verständnis für die psychosomatischen Zusammenhänge gemeinsam entwickelt werden.

Literatur

Blizard, R.A. (2001). Masochistic and Sadistic Ego States. In: Journal of trauma & dissociation: the official journal of the International Society for the Study of Dissociation (ISSD) 2 (4), S. 37–58. DOI: 10.1300/J229v02n04_03.
Vogt, R. (Hrsg.) (2012). Täterintrojekte. Diagnostik und Behandlungsmodelle dissoziativer Strukturen. Kröning: Asanger.
Williams, P. (2005). Einverleibung eines invasiven Objekts. In: Psyche 59 (4), S. 293–315.

Kurzvita

Dr. Franziska Schlensog-Schuster ist Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin und Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie, -psychotherapie und -psychosomatik, tiefenpsychologisch ausgebildete Kinderpsychotherapeutin sowie analytische Gruppentherapeutin (D3G). Sie leitet die Interdisziplinäre Psychosomatik/Eltern-Kind-Einheit des Universitätsklinikums Leipzig mit den Schwerpunkten in der Arbeit von psychischen Störungen in frühester Kindheit und psychosomatischen Störungen besonders bei chronisch erkrankten Kindern und Jugendlichen. Ihre Forschungsschwerpunkte sind einerseits die Diagnostik von psychischen Störungen im Altersspektrum von 0 bis 5 Jahren sowie die Erarbeitung von Therapiemanualen zur Eltern-Säuglings-/Kleinkind-Therapie mit einem Schwerpunkt auf besonders schwierige Affekte und die Bewältigung und Erarbeitung im Therapieprozess. Zusätzlich beschäftigt sie sich mit den Auswirkungen von verschiedenen Misshandlungserfahrungen in der Kindheit und der Entwicklung von psychischen Störungen im gleichen Altersspektrum. Sie ist Mitglied des KJP-Ausschusses des Sächsischen Instituts für Psychoanalyse und Psychotherapie „Therese Benedek“ e. V.

Dr. Marion Schneider

13.30 Uhr


Wie komplex-dissoziativ ist eigentlich mein Patient?

Es wird eine Fallvignette eines ca. 32-jährigen Patienten mit spätintrusiver, komplexer Traumafolgestörung nach schwerem sexuellen Missbrauch durch Übergriffe vorgestellt. Erst die Anwendung von Gestaltungselementen nach dem SPIM 30-Modell eröffnete den Weg zu einer differenzierten Diagnostik und gab Hinweise auf die ausgeprägte Störungstiefe. Der Vortrag zeichnet den Verlauf der stationären Intervallbehandlung und das adaptierte therapeutische Vorgehen nach und beschreibt dabei Höhen und Tiefen der gemeinsamen Traumaanalysearbeit.

Verwendete Literatur:

Vogt, R. (2013). SPIM 30. Behandlungsmodell dissoziativer Psychotraumastörungen. Kröning: Asanger Verlag.
Vogt, R. (Hrsg.) (2020). Scham und Schuld bei traumatisierten Menschen. Berlin: Lehmanns Media.
Maercker, A. (Hrsg.) (2019). Handbuch der Psychotraumatologie. Stuttgart: Klett-Cotta. 3. Aufl.

Vita:

Ärztliche Psychotherapeutin mit langjährigen Erfahrungen in der Allgemeinmedizin und Psychiatrie. Derzeit als Oberärztin für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie mit Spezialisierung auf Traumafolgestörungen am Asklepios Fachklinikum Stadtroda. Aufbau einer ersten klinischen Behandlungseinheit für diese Patientengruppe in Thüringen. Zertifizierte Therapeutin für EMDR und komplex-dissoziative Traumafolgestörungen nach dem SPIM 30-Konzept.

Dr. Sebastian Schuster

14.05 Uhr


„Sprechen alleine hilft nicht ?!“

Der Vortrag widmet sich der Frage der Notwendigkeit von konfrontativer Traumabearbeitung mittels Exposition bei traumatisch bedingten Störungen unter biographischen Gegebenheiten. Der Traumaexposition kommt dabei der zentrale Stellenwert im dreiphasigen Therapiemodell zu. Die Falldarstellung einer 65-jährigen Patientin mit einem iatrogen verursachten Monotrauma im Krankenhaus und daraus folgender PTBS sowie Medikamentenabhängigkeit zeigt, dass auch mittels ambulanter Kurzzeittherapie mit verschiedenen Traumaexpositionstechniken (Fokussiert Szenisches Arbeiten/ Inselarbeit) nach SPIM 30 deutliche Verbesserungen eintraten in denen Symptomausprägungen mit Wiederherstellung der Lebensqualität der Patientin gegeben sind. In der Traumaforschung zeigen empirische Studien zeigen, dass sich selbst schwerwiegende und chronische Symptomatiken mildern lassen, wenn Traumata konfrontativ therapiert werden. Bedauernswerterweise verzichtet weiterhin eine Mehrzahl der ambulanten Psychotherapeuten und Psychotherapeutinnen auf traumaspezifische Behandlungsansätze.

Literatur:

Hecker, T.; Maercker, A. (2015). Komplexe posttraumatische Belastungsstörung nach ICD- 11. In: Psychotherapeut. 60(6): 547-562 DOI: https://doi.org/10.1007/s00278-015-0066-z.
Bohus, M.; Krüger, A.; Priebe, K. (2013). Psychotherapie der Posttraumatischen Belastungsstörung bei Patienten mit Borderline-Persönlichkeitsstörungen. In: Psychotherapie. 18. Jahrgang 2013, BD 18, München: CIP- Medien.
Vogt, Ralf (2013). SPIM 30. Behandlungsmodell dissoziativer Psychotraumastörungen. Kröning: Asanger.

Kurzvita:

Dr. med. Sebastian Schuster ist Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie und arbeitet als tiefenpsychologisch und psychotraumatologisch ausgebildeter ärztlicher Psychotherapeut in eigener Praxis in Leipzig.

Dipl.-Psych. Stefanie Dieball

14.40 Uhr


Brücken bauen – SPIM 30 im Kontext moderner Verhaltenstherapie 

Ähnlich wie das SPIM30 Behandlungsmodell in der analytisch-tiefenpsychologischen Behandlung stellt die Schematherapie innerhalb der Verhaltenstherapie einen modernen integrativen Behandlungsansatz dar. Im Gegensatz zum konventionellen Störungsverständnis in der Verhaltenstherapie bezieht die Schematherapie frühe und früheste (psychotraumatische) Beziehungserfahrungen in das Verständnis der Entwicklung psychischer Störungen ein. Durch den Einsatz erlebnisaktivierender Verfahren werden emotionale, z.T. unbewusste Prozesse beim Patienten zum zentralen Gegenstand der Therapie gemacht. Anhand eines Fallbeispiels werden das therapeutische Vorgehen unter Einbezug von verhaltenstherapeutischer Schematherapie und analytisch-körperorientierter SPIM 30-Psychotherapie in der individuellen Kombination der Fallbeschreibung vorgestellt und deren Indikationszuordnungen über die Settings verglichen und in der individuellen Abfolge begründet und weitere Kombinationshypothesen abgeleitet.

Kurzvita

Stefanie Dieball ist Diplompsychologin und Psychologische Psychotherapeutin mit der Fachkunde Verhaltenstherapie. Sie arbeitet in eigener Praxis in Leipzig mit dem Schwerpunkt Traumafolgestörungen. Zusatzqualifikationen zur Traumatherapeutin nach SPIM30, Schematherapeutin u.ä.

Literaturhinweise

Vogt, R. (2013). SPIM-30-Manual. Trauma-Institut-Leipzig in Kooperation mit Eigenverlag der Vogt GbR, Leipzig.
Vogt, R. (2014). SPIM30. Behandlungsmodell dissoziativer Psychotraumastörungen. Kröning: Asanger.
Roediger, E. (2016). Schematherapie: Grundlagen, Modell und Praxis. Stuttgart: Schattauer.

M. Sc. Psych. Winja Buss

15.40 Uhr


Traumatherapeutische Reise einer DIS-Patient*in

Im Vortrag wird der Verlauf einer 5-jährigen traumatherapeutischen Behandlung einer Patientin mit Dissoziativer Identitätsstörung veranschaulicht, von der Ausgangssituation, über verschiedene Behandlungsphasen bis hin zu Entwicklungsergebnissen. Hilfreiche Elemente aus dem SPIM 30-Konzept werden exemplarisch anhand von Vignetten der psychotherapeutischen Symptom- und Beziehungssituation diskutiert. Von der Diagnoseakzeptanz über den Aufbau einer kooperativen Innenkommunikation und den Abbruch von Täterkontakt, bis hin zum Aufbau eines Helfer-Netzwerkes und einer Lebensperspektive werden die Höhen und Tiefen dieser Behandlung skizziert. Ergänzt werden die Erlebensmitteilungen der schwer traumatisierten Patientin durch die parallelen Gegenübertragungen und Sichtweisen der Psychotherapeutin.

Literatur

Vogt, R. (2014). SPIM-30-Behandlungsmodell dissoziativer Psychotraumastörungen: Konzeptbegriffe, Materialien, Langzeitfallbeispiele. Asanger.
Miller, A. (2019). Jenseits des Vorstellbaren: Therapie bei Ritueller Gewalt und Mind-Control. Asanger Verlag.
Chefetz, R. A. (2015). Intensive psychotherapy for persistent dissociative processes: the fear of feeling real (Norton series on interpersonal neurobiology). WW Norton & Company.
Vogt, R. (Hrsg.) (2022). Verwirrung, Spaltung und Dissoziation bei von Menschen gemachten
Psychotraumata. Dissoziative Identitätsstörungen in vielfältigen Behandlungsformen. Berlin: Lehmanns Media.

Kurzvita

Winja Buss ist Psychologische Psychotherapeutin, Traumatherapeutin, staatlich anerkannte Erzieherin und Diplom bildende Künstlerin. Sie arbeitet in psychotherapeutischer Praxis und ist Co-Leiterin des ITT Leipzig (Institut für Traumapädagogik und Therapie Leipzig).
Frau Buss hat viele Jahre als Erzieherin in der stationären Jugendhilfe, als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Trauma-Institut-Leipzig, als Stationspsychologin sowie als Dolmetscherin im traumatherapeutischen Fachbereich gearbeitet. Sie hat zahlreiche Fachbücher im traumatherapeutischen Fachbereich ins Deutsche übersetzt und 2013 den Student Award der ISSTD für ihre herausragenden Leistungen erhalten. Frau Buss ist im Editorial Board der ESTD (European Society for Trauma and Dissociation), Co-Moderatorin einer internationalen Mailingliste für die Arbeit mit dissoziativen Störungen und Lehrtrainerin im traumapädagogischen Fachbereich.
https://praxis-winja-buss.de
http://itt-leipzig.com

Dipl.-Psych. Wiebke Bruns

16.15 Uhr


Netzwerken – eine wichtige Komponente für den stabilen Erfolg von Psychotraumatherapie

Vorgestellt werden soll eine Frau um die 50 Jahre, die eine mehrjährige Psychotherapie mit gutem Abschied beim Ehepaar Vogt absolvierte. Die Besonderheit dieser Klientin war dabei, dass diese sich zunächst eine Einzelpsychotherapie beim männlichen Psychotherapeuten, Herrn Vogt auswählte und nach der Bearbeitung väterlicher Themen eine nächste Psychotherapie bei der weiblichen Kollegin, Frau Vogt, absolvieren konnte, um die mütterlichen Thematiken intensiv zu bearbeiten. Zum Abschluss konnte diese Patientin nach diesen intensiven Einzelpsychotherapien dann noch freiwillig die 2-jährige Langzeitgruppentherapie beim Ehepaar Vogt nach dem SPIM 30-Konzept umsetzen, um dadurch ihre sozialen Kompetenzen zu erweitern und zu stärken. Nach einigen Jahren wurde sie dann bei mir wegen pränataler Problematiken vorstellig, welche zu diesem Reifungszeitpunkt sukzessive ins Bewusstsein getreten waren. Die Klientin hatte den Wunsch, ihre gefühlt sehr tiefliegenden Ängste noch besser zu verstehen und zu bearbeiten (Verlust-, Kontaminations- und hypochondrische Ängste verbunden mit Einsamkeitsgefühlen). Nach und nach eröffneten sich der Klientin neue Verbindungen zu ganz frühen, pränatalen Themen. Diese Frau fand danach außerdem anhaltend Stabilität im Kontakt zu den hilfreich therapienahen Strukturen aus dem SPIM Netzwerk.

Literatur

Hochauf, R. (2013). Frühes Trauma und Strukturdefizit. Kröning: Asanger.
Janus, L.; Evertz, K.; Linder, R. (2016). Lehrbuch der Pränatalen Psychologie. Heidelberg: Mattes.
Vogt, R. (2007). Psychotrauma, State, Setting. Gießen: Psychosozial.

Vita

Psychologische Psychotherapeutin Analyse und TP für Einzel und Gruppe (KBAP), Körpertherapeutin (Sportfachschule Stuttgart) und Traumapsychotherapeutin (TIL) , seit 2014 tätig in eigener Praxis (Altenburg, Leipzig), vorher Bereich Gesundheit, Naturheilkunde, Klinik (Schaumburg, Leipzig, Bad Elster).

DP Irina Vogt

16.50 Uhr


Traumaohnmacht und –agieren bei schwertraumatisierten Menschen

Vorgestellt wird eine psychotraumatologische Langzeitpsychotherapie einer Frau mit einer schweren dissoziativen Komplextraumatisierung. Ausgehend von Turbulenzen des Behandlungsbeginns, den verwirrenden Symptomen sowie einer Vielzahl von sozialen Problematiken kann beschrieben werden, wie problematisch das Erarbeiten einer ersten Behandlungs- und Beziehungsstruktur war, weil die Klientin mit ihren agierenden Kräften der Psychotherapeutin aggressiv und hilflos zusetzte und eine Vielzahl von Ablenkungsmanövern startete, um ihre psychotraumatischen Hintergründe quasi „zu schützen“. Ihr soziales Umfeld agierte dabei ebenfalls destruktiv gegen die Therapeutin. Diese Art psychodynamischer Komplexität der Herausforderungen ist gerade für jüngere Berufskolleg*innen eine schwere Herausforderung, nicht in ein Burnout zu verfallen. Anhand der SPIM 30-Behandlungsstrukturen soll anschaulich nachvollziehbar werden, wie mühsam, aber lohnenswert für beide Seiten der Weg zur schrittweisen Gesundung der Klientin verlaufen ist.

Literatur

Miller, A. (2014). Jenseits des Vorstellbaren. Therapie bei Ritueller Gewalt und Mind-Control. Kröning: Asanger
Vogt, R. (Hrsg.) (2013). SPIM 30. Behandlungsmodell dissoziativer Psychotraumastörungen. Kröning: Asanger.
Vogt, R. (Hrsg.) (2022). Verwirrung, Spaltung und Dissoziation bei von Menschen gemachten Psychotraumata. Dissoziative Identitätsstörungen in vielfältigen Behandlungsformen. Berlin: Lehmanns Media.

Vita

Psychologische Psychotherapeutin in eigener Praxis seit 1992. Zertifizierte Psychotraumatologin, Tiefenpsychologin, Gruppentherapeutin. Ausbildung in analytischer Körperpsychotherapie und kreativer Spieltherapie. Zwölfjährige klinische Tätigkeit in ambulanter Poliklinik. Fachpsychologin der Medizin. Spezialistin für dissoziative Störungen seit 1995 und Mitglied in nationalen und internationalen Fachverbänden. 2011 bekam sie den Fellow Award der ISSTD (International Society for the Study of Trauma und Dissociation) für herausragende theoretische und praktische Beiträge. Mitentwicklung des hauseigenen Behandlungsprogramms SPIM-20- bzw. später SPIM-30. Seit 2001 zusammen mit ihrem Ehemann Ausbildungsleiterin am Trauma-Institut-Leipzig sowie für nationale und internationale Institute.

Bachfest Leipzig

Unsere Tagung findet während des Internationalen Bachfestes vom 8. – 18. Juni 2023 in Leipzig statt. Interessenten sollten sich langfristig Karten sichern.

Mehr Informationen zu Kartenbestellungen und Programm finden Sie im Netz unter:
www.bachfestleipzig.de




Veranstalter

Trauma-Institut-Leipzig an der Akademie für Ganzheitliche Psychotherapie Fortbildungszyklen für Traumafachberater und Psychotraumatherapeuten

Akademie für Ganzheitliche Psychotherapie (gemeinnützige Organisation) Fortbildung in trauma- und körperorientierter schulenübergreifender Psychotherapie